„Hallo Rainer, wie geht es Dir?“ fragt mich die Mutter eines Schulkameraden. An sich nichts ungewöhnliches. Doch mittlerweile liegt mein Abitur 30 Jahre zurück und mit „Frau Müller“ bin ich immer noch per „Sie“. Doch einfach zurück zu duzen – das passt für mich nicht zum guten Stil.

Wer darf laut Knigge Du anbieten? Diese Frage wird mir bei Seminaren häufig gestellt. Im Privatleben bieten nach wie vor die Dame dem Herrn das freundschaftliche „Du“ an, außerdem der Ältere dem Jüngeren. In der geschilderten Situation bleibt mir nichts anderes übrig, als das „Du“ der älteren Dame einfach zu ignorieren. Korrekt finde ich es, wenn die Eltern von Schulkameraden nach der Schulzeit auf die korrekte Anrede „Frau/Herr“ oder zumindest auf „Sie“ und den Vornamen umstellen, wie dies auch in der Oberstufe üblich ist.

Wer darf laut Knigge im Business das Du anbieten?

Ärgerlich finde ich dagegen das plumpe „Du“ von Vorgesetzten. Ich werde dabei an den Führungsstil eines Verlegers erinnert, der über Jahrzehnte alle Mitarbeiter mit Vornamen ansprach und sich selbst immer mit „Herrn Meier“ anreden ließ. Die Umgangsformen sind in diesem Fall eindeutig:

Grundsätzlich bietet der Kunde dem Dienstleister das „Du“ an, zudem der Chef dem Mitarbeiter. Alter und Geschlecht spielen beim beruflichen „Du-Angebot“ keine Rolle. Natürlich traute sich im Verlag kein Mitarbeiter den Chef zu duzen, das wäre eindeutig ein Verstoß gegen die Business-Etikette. Gleichzeitig finde ich es dreist, wenn der Vorgesetzte seine Rolle überzieht und hier das Fingerspitzengefühl vermissen lässt. Mein Praxis-Tipp: Ein langjähriger Mitarbeiter mit Führungsverantwortung sollte dieses Thema im Vier-Augen-Gespräch mit dem Chef gezielt ansprechen.

Was mache ich, wenn ich das „Du“ nicht möchte?

Natürlich können Sie das freundliche Angebot jederzeit ablehnen. Wichtig scheint mir nur eine kurze Begründung, die für den anderen nachvollziehbar ist: „Herzlichen Dank für das freundliche Angebot – das schätze ich sehr. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich mich entschieden habe, mit allen Kunden beim „Sie“ zu bleiben – es wird für mich sonst zu komplex.“

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Rainer Wälde
Rainer Wälde

Rainer Wälde liebt es, durch Filme, Bücher und Vorträge seine Zuhörer in ihrer Originalität zu ermutigen.
In seinem wöchentlichen Blog erzählt er ihre Geschichten.

www.rainerwaelde.de

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