plakat-juergen_565x800Seit zwei Wochen bin ich in der Republik zu Vorträgen und Seminaren unterwegs und wundere mich über Hunderte von Plakaten, die momentan die Straßen säumen: Hochbezahlte Spezialisten beraten die großen Parteien, doch die Abgeordneten präsentieren sich zum Teil in einem mäßigen Licht. Bei den großen Parteien scheint es, als hätte jemand die Parole ausgegeben: Dieses Mal, meine Herren ohne Schlips!

Entsprechend locker stehen Kandidaten vor der Kamera: Im grauen oder weißen Hemd, Kragen offen, häufig kein Jackett.  Volkstümlich wollen sie wirken und ganz bürgernah: Seht her, wir sind wie ihr – ganz einfach Leute. Doch in Wirklichkeit geht es um die politische Elite: Mandatsträger, die gewählt werden, ihr Amt auszufüllen. Kompetente Persönlichkeiten mit Charakterstärke, klarem Verstand und Mut, auch unbequeme Wahrheiten politisch zu diskutieren.

Will der Wähler einen kumpelhaften Stammtischbruder?

Hand aufs Herz: Warum präsentieren sich so viele Abgeordnete als kumpelhafte Stammtischbrüder wie bei diesem Wahlkampf, statt ihre Kompetenz durch die entsprechende Bekleidung auszudrücken? Bei den Grünen dagegen finde ich plötzlich Kandidaten, die klassich-korrekt im grauen Businessanzug mit Weste und Krawatte um die Gunst der Wähler buhlen. Bei der neuen Positionierung in der „Mitte“ der Gesellschaft setzten sie plötzlich auf bürgerlich-traditionelle Dresscodes, um beim Wähler zu punkten. Verkehrte Welt?

Volker_BouffierIn Hessen wird diese Woche auch eine neue Landesregierung gewählt: Volker Bouffier, der aktuelle Ministerpräsident, kämpft um die Wählergunst. Seine Spin-Doktoren haben eine Kampagne inszeniert, die den Landesvater mal im Pullover, mal im Freizeithemd zeigen. Er wirkt wie ein netter Pädagoge kurz vor der Pensionierung mit grau meliertem Haar, mit dem man gerne mal eine Tasse Kaffee trinkt. Zwanglos, unverbindlich. Doch wollen die Wähler wirklich einen „Landesvater“, der von seinen Strategen kumpelhaft und weichgespült präsentiert wird? Ich glaube nicht.

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Warum diskutiert Deutschland tagelang über die bunte „Schlandkette“ der Bundeskanzlerin, statt über die Inhalte des TV-Duells? Vermutlich, weil eine klare politische Debatte in diesem Wahljahr von den großen Parteien gar nicht erwünscht ist.  Zu ähnlich sind die Positionen und zu austauschbar die Parolen.

Die äußere Form vermittelt Sicherheit

Ich frage mich: Sind die geschönten Plakatfotos unserer politischen Führungskräfte wirklich glaubwürdig? Wir wählen doch nicht „Germany´s next Topmodell“, sondern eine Regierung, die unser Land kompetent durch stürmische Zeiten hindurch navigieren soll.  Hier sind keine Leichtmatrosen gefragt, sondern erfahrene Kapitäne, die auf der souverän auf der Brücke agieren. Was erwartet der Mitreisende von seinem Navigator? Eine klassische Uniform, korrekt geschnitten – die äußere Form vermittelt seit Jahrzehnten Sicherheit. 

AfD17_07_13_11_49_27_1403_Plakat1_ab_Dekade22_Lucke_EuroDeshalb kann ich auch in Zukunft jeder Führungskraft – ob in der Wirtschaft oder auf dem politischen Parkett – nur raten, auf die äußere Form Wert zu legen: Wer als Marke wahrgenommen werden will, sollte auch bei öffentlichen Auftritten auf die Qualität von Marken achten: Eine typgerechte Kleidung – die dem Image der Person entspricht – sind für mich auch weiterhin klare Garanten für den beruflichen Erfolg. Die „Alternative für Deutschland“ hat das verstanden: Für die neue Partei geht es jetzt um „alles oder nichts“. Entsprechend staatsmännisch präsentiert sich auch der Vorsitzende: Prof. Dr. Bernd Lucke. Sein Dresscode vermittelt: Ich bewerbe mich um ein politisches Mandat auf Bundesebene und will ernst genommen werden!