Wahlen 2013: Welches Image verkörpern die Politiker?

plakat-juergen_565x800Seit zwei Wochen bin ich in der Republik zu Vorträgen und Seminaren unterwegs und wundere mich über Hunderte von Plakaten, die momentan die Straßen säumen: Hochbezahlte Spezialisten beraten die großen Parteien, doch die Abgeordneten präsentieren sich zum Teil in einem mäßigen Licht. Bei den großen Parteien scheint es, als hätte jemand die Parole ausgegeben: Dieses Mal, meine Herren ohne Schlips!

Entsprechend locker stehen Kandidaten vor der Kamera: Im grauen oder weißen Hemd, Kragen offen, häufig kein Jackett.  Volkstümlich wollen sie wirken und ganz bürgernah: Seht her, wir sind wie ihr – ganz einfach Leute. Doch in Wirklichkeit geht es um die politische Elite: Mandatsträger, die gewählt werden, ihr Amt auszufüllen. Kompetente Persönlichkeiten mit Charakterstärke, klarem Verstand und Mut, auch unbequeme Wahrheiten politisch zu diskutieren.

Will der Wähler einen kumpelhaften Stammtischbruder?

Hand aufs Herz: Warum präsentieren sich so viele Abgeordnete als kumpelhafte Stammtischbrüder wie bei diesem Wahlkampf, statt ihre Kompetenz durch die entsprechende Bekleidung auszudrücken? Bei den Grünen dagegen finde ich plötzlich Kandidaten, die klassich-korrekt im grauen Businessanzug mit Weste und Krawatte um die Gunst der Wähler buhlen. Bei der neuen Positionierung in der „Mitte“ der Gesellschaft setzten sie plötzlich auf bürgerlich-traditionelle Dresscodes, um beim Wähler zu punkten. Verkehrte Welt?

Volker_BouffierIn Hessen wird diese Woche auch eine neue Landesregierung gewählt: Volker Bouffier, der aktuelle Ministerpräsident, kämpft um die Wählergunst. Seine Spin-Doktoren haben eine Kampagne inszeniert, die den Landesvater mal im Pullover, mal im Freizeithemd zeigen. Er wirkt wie ein netter Pädagoge kurz vor der Pensionierung mit grau meliertem Haar, mit dem man gerne mal eine Tasse Kaffee trinkt. Zwanglos, unverbindlich. Doch wollen die Wähler wirklich einen „Landesvater“, der von seinen Strategen kumpelhaft und weichgespült präsentiert wird? Ich glaube nicht.

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Warum diskutiert Deutschland tagelang über die bunte „Schlandkette“ der Bundeskanzlerin, statt über die Inhalte des TV-Duells? Vermutlich, weil eine klare politische Debatte in diesem Wahljahr von den großen Parteien gar nicht erwünscht ist.  Zu ähnlich sind die Positionen und zu austauschbar die Parolen.

Die äußere Form vermittelt Sicherheit

Ich frage mich: Sind die geschönten Plakatfotos unserer politischen Führungskräfte wirklich glaubwürdig? Wir wählen doch nicht „Germany´s next Topmodell“, sondern eine Regierung, die unser Land kompetent durch stürmische Zeiten hindurch navigieren soll.  Hier sind keine Leichtmatrosen gefragt, sondern erfahrene Kapitäne, die auf der souverän auf der Brücke agieren. Was erwartet der Mitreisende von seinem Navigator? Eine klassische Uniform, korrekt geschnitten – die äußere Form vermittelt seit Jahrzehnten Sicherheit. 

AfD17_07_13_11_49_27_1403_Plakat1_ab_Dekade22_Lucke_EuroDeshalb kann ich auch in Zukunft jeder Führungskraft – ob in der Wirtschaft oder auf dem politischen Parkett – nur raten, auf die äußere Form Wert zu legen: Wer als Marke wahrgenommen werden will, sollte auch bei öffentlichen Auftritten auf die Qualität von Marken achten: Eine typgerechte Kleidung – die dem Image der Person entspricht – sind für mich auch weiterhin klare Garanten für den beruflichen Erfolg. Die „Alternative für Deutschland“ hat das verstanden: Für die neue Partei geht es jetzt um „alles oder nichts“. Entsprechend staatsmännisch präsentiert sich auch der Vorsitzende: Prof. Dr. Bernd Lucke. Sein Dresscode vermittelt: Ich bewerbe mich um ein politisches Mandat auf Bundesebene und will ernst genommen werden!




Kommentare

Michael v. Karpowitz says

Ich erinnere mich, als die ersten Lehrer nicht mehr im Anzug, sondern in quasi Freizeitkleidung in der Schule erschienen. Damit erweckten sie eher den ersten Eindruck des Kumpels, weniger einer Autorität. Ebenso sehe ich es bei vielen Politikern, die einerseits mit ihrer Kleidung eine Form der Volksnähe ausdrücken möchten, tatsächlich aber in einer ganz anderen, eigenen Welt leben. So wie sie verbal nicht wirklich greifbar sind, so flexibel treten sie auch auf, mal so, mal so. Im Gesamtkonzept nicht wirklich glaubhaft. Merkel, Gysi, Kauder, Brüderle, Wagenknecht, Göppel und sicher auch andere wirken da eher eins mit Beruf und Auftreten, auch in Form ihrer Kleidung.

Hofmann Carmen says

Wer sich für eine Stelle oder Amt bewirbt kommt auch nicht in Pullover oder Freizeitlook. Der Bewerber hat Respekt und vermittelt es mit seinem Outfit. Haben die großen Politiker es nicht mehr nötig sich bei uns zu bewerben.....mit Respekt.. wie könnten sie auch, sie versprechen und halten es nicht , versprechen wieder und immer wird eine der Parteien wiedergewählt.

Bettina Leonhardt says

"Kompetente Persönlichkeiten mit Charakterstärke, klarem Verstand und Mut, auch unbequeme Wahrheiten politisch zu diskutieren."
Über diesen Satz würde ich auch gerne diskutieren, denn wenn ich mir "die politische Elite: Mandatsträger, die gewählt werden, ihr Amt auszufüllen." ansehe, habe ich auch da meine Zweifel.
Sie wollen vielleicht optisch den Eindruck erwecken, jemand "vom Volk" zu sein, aber den Blick für die Wähler verlieren sie immer mehr. All diese Dinge, wie auch die "Schlandkette" der Bundeskanzlerin dienen dazu, abzulenken, aber geben auch ein Bild von unserer Gesellschaft, die sich über solche Oberflächlichkeiten unendlich ausläßt, aber die wesentlichen Dinge aus dem Blick verliert. Politiker sollen unserem Land dienen, das Beste für das Volk tun, und nicht für ihren eigenen Machterhalt oder ihr eigenes Portemonaie. Stil hängt nicht an der Krawatte, sondern am runden Gesamtbild. Ein Joschka Fischer ging mit Turnschuhen in den hessischen Landtag, und war in meinen Augen ein ausgezeichneter Politiker, jedenfalls besser, als so mancher Anzugträger. Ein Gregor Gysi ist immer korrekt gekleidet, aber für mich in seiner politischen Meinung nicht korrekt, eine Angela Merkel läuft immer im gleichen Blazer rum, in verschiedenen Farben, leider viel zu lange in zu kurz geschnittenen, die uvorteilhaft waren. Aber von mir aus können diese Menschen auch im Jutesack rumlaufen, wenn sie anständige Politik machen, wirklich mal den Mut haben, unbequeme Wahrheiten zu sagen, und für die Wähler einleuchtend zu begründen. Natürlich ist mir ein angenehmer Anblick eines stilvoll gekleideten Menschen lieber, aber Äußerlichkeiten veraten in letzter Konsequenz nichts über Kompetenz und Charisma!

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