„Sei doch nicht so empfindlich“ – ein Spruch, der in unserer Leistungsgesellschaft häufig zu hören ist. Ihre Maxime: immer höher, weiter, schneller – nur der Stärkste überlebt. Menschen mit feinem Gespür und wachen Antennen kommen in dieser Kultur leicht unter die Räder. Es sei denn, sie erkennen, dass in ihrer hohen Sensibilität eine enorme Kraft steckt.

Schon als Teenager war ich extrem neugierig, wissbegierig. Dazu mit einer großen Phantasie ausgestattet. Hörspiele mit Radio waren ganz mein Ding. Ich liebte es, in fremde Welten einzutauchen und in meiner inneren Welt spazieren zu gehen.

Die Gefahr zu vieler Reize

Doch schon bald wurde mir die Schattenseite meiner Begabung sichtbar. Ich merkte: Wenn ich nicht aufpasse, kommt mein gesamter Körper in eine Phase der Überreizung, der nur schwer zu stoppen ist. Über die Jahre habe ich gelernt, die Signale zu beachten: Wenn das Maß von Anspannung und Entspannung stimmt, bin ich über lange Zeit im grünen Bereich, doch wehe die Ampel geht auf Gelb und ich merke es nicht. Dann ist es bis zur Vollbremsung oder dem Unfallschaden nicht mehr weit. Mir ist bewusst: Wenn ich bei Rot die nächste Kreuzung überquere, muss ich mit den Folgen rechnen. Ich kann Ihnen genügend Beispiele nennen, bei denen ich die Ampel ignoriert habe. Schon einige Male war ich messerscharf vor einem massiven Burnout.

Gehören Sie auch zu den Hochsensiblen?

Eine große Hilfe war für mich das Buch von Elaine Aron: „Sind Sie hochsensibel?“ Seit über 20 Jahren forscht die Psychotherapeutin und Professorin zu diesem Thema. Sie gilt als Pionierin auf dem Gebiet der Hochsensibilität. Ihre Arbeit hat mir geholfen, meine eigene Grenzen besser zu verstehen: „Sie nehmen Feinheiten wahr, die anderen entgehen, und erreichen deshalb viel eher einen Punkt nervlicher Erregung. (…) Die Erregung kann sich bemerkbar machen durch Erröten, Zittern, Denkblockaden, Magenkrämpfe, Herzklopfen, Muskelverspannungen und Schwitzen.“

Dem Körper nicht zu viel abverlangen

Um dies zu vermeiden, brauche ich Oasen in meinem Alltag: Die Sonntage sind mir heilig, bleiben ungeplante Zeiten im Wochenablauf. Ich versuche, an diesen Tag auch keine privaten Termine zu planen, damit meine Seele frei von Verpflichtungen durchatmen kann. Bei der jährlichen Planung, die ich mit meiner Frau immer Anfang Januar erstelle, nutzen wir einen Spielplan, um alle Lebensbereiche im Überblick zu behalten: Familie, Freunde, Freizeit, Glaube, Beruf. Wir beide planen – jeder für sich – Tage der Stille, an denen wir ungestört eine Standortbestimmung machen: Was ist bisher gut gelaufen, was will ich ändern?

Lesen Sie den ausführlichen Beitrag Frühjahrsausgabe…

 

Rainer Wälde
Rainer Wälde

Rainer Wälde liebt es, durch Filme, Bücher und Vorträge seine Zuhörer in ihrer Originalität zu ermutigen.
In seinem wöchentlichen Blog erzählt er ihre Geschichten.

www.rainerwaelde.de

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