Kein Halleluja: Handy Knigge in der Kirche

Es ist ein sommerlicher Nachmittag, als das Brautpaar in die kleine Dorfkirche bei Weilburg einzieht. Der Pfarrer ist gutgelaunt und begrüßt humorvoll die Hochzeitsgäste. Bevor der Gottesdienst beginne, müsse er „noch ein Problem ansprechen.“ Es gehe um die „mobile phones“, zu Deutsch Handys.

Dann stellt er der versammelten Festgemeinde die entscheidende Frage: „Wer von Ihnen hat ein Handy dabei?“ Verdutzte Blicke im Kirchenschiff. „Und wessen Handy ist eingeschaltet? Bitte schauen Sie genau nach – es wäre doch schade, wenn sich das Brautpaar gerade vor dem Altar das Ja-Wort gibt und dann ein Handy klingelt!“

Offensichtlich hat der Pfarrer in den letzten Monaten seine Erfahrungen gemacht, sonst würde er die Hochzeitszeremonie nicht mit dem Thema „Umgangsformen“ beginnen.

Mittendrin klingelt ein Handy

Am selben Abend – nur wenige Stunden nach der Trauung – passiert es dann doch. Da das Brautpaar nur mit den engsten Familienangehörigen feiert, genießen meine Frau und ich zuerst einen Restaurantbesuch, danach gehen wir in Limburg ins Kino. Der Saal ist vollbesetzt, die Geschichte entwickelt sich. Plötzlich – mitten in der romantischen Handlung – klingelt hinter uns ein Handy. Nach dem wiederholten Tonruf nimmt die Dame ab und startet ihr Gespräch: „Ja, hallo …“

Der Filmton ist leise, jeder kann ihre Worte verstehen: „Nein, du ich kann jetzt nicht … in der nächsten halben Stunde geht es nicht … ich sitze gerade im Kino.“

Nach diesen Erfahrungen wundert es mich nicht, dass in den USA in öffentlichen Veranstaltungsräumen bereits Störsender installiert werden, die Handy-Empfang verhindern. Ich bin gespannt, ob dieser Technik auch bei uns Einzug hält – bis dahin werden sicherlich noch mehr Kinobesitzer, Theaterdirektoren und auch Pastoren persönliche Appelle in Sachen Handy Knigge an ihre Gäste richten.




Kommentare

Silke Gürtner says

Eine schöne und leider wahre Geschichte, die ich sehr gut nachvollziehen kann...Handys: Fluch und Segen
Einerseits wichtig, in manchen Situationen absolut überflüssig. Ich finde es auch erschreckend zu beobachten wie viele Menschen im dauernden Kontakt mit vielen anderen Menschen stehen, statt sich auf die wesentlichen Beziehungen zu konzentrieren. Mich stressen ständige SMS Kontakte, da ich mich immer im Zugzwang fühle zu reagieren. Da nehme ich doch altmodischerweise lieber den Hörer zur Hand und halte meine Kontakte zu Freunden auf andere Art und Weise...

Cookies

Bitte wählen Sie eine Option (Hilfe):

Bitte wählen:

Ihre Auswahl wurde gespeichert

Hilfe

Hilfe

Um weiter zu surfen, müssen Sie eine Option auswählen. Wir erklären, wofür die Optionen stehen:

  • Akzeptiere alle Cookies:
    Es werden alle Cookies akzeptiert - auch die von externen Anbietern (Google etc.)
  • Akzeptiere nur erforderliche Cookies:
    Es werden nur Cookies dieser Seite erlaubt. Dies ist für die Seminaranmeldung und Hotelbuchung erforderlich.

Sie können Ihre Cookie-Einstellung jederzeit hier ändern: Datenschutz.

Zurück