Angekommen im Gutshof: I have a dream

Wie der Traum von einem historischen Gutshof nach langer Suche endlich Realität wurde

Vor zehn Jahren hatten Ilona und ich einen großen Traum: Wir träumten von einem historischen Gebäude, einem Landgut mit Tradition, in dem Menschen zur Ruhe finden und neu auftanken können. Im Internet fanden wir ein Foto, das unsere Sehnsucht ausdrückte: ein Gutshof mit einem Rosengarten. Dieses Motiv wurde zu einem Zielfoto für unsere Träume, das wir auch Freunden zeigten, wenn wir von unserem großen Traum erzählten.

Uns beiden ging es wie Nicole Kidman und Tom Cruise, die im Film „In einem fernen Land“ von ihrem Grundstück in Amerika träumen, das so fern und irreal scheint. Dieser Film hat uns im letzten Jahrzehnt immer wieder ermutigt, unseren Traum nicht aufzugeben, vor allem dann, wenn wir irgendwo in Deutschland erfolglos von der Suche zurückkehrten.

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Angekommen im Gutshof: Wie „in einem fernen Land“

Vermutlich kennen Sie das Gefühl auch: Sie träumen von einem bestimmten Ziel, vielleicht einer bestimmten Arbeitsstelle, einem Wohnort oder einem Partner – und dieses Ziel scheint unerreichbar in weiter Ferne. Trotz aller Versuche bleibt es ein Traum. Dann kommen die Zweifel: Habe ich zu groß geträumt? Oder verhindert gar eine unsichtbare Macht, dass mein Traum Realität wird?

Ilona und ich haben in den letzten sechs Jahren intensiv nach einer passenden Immobilie gesucht. Wir haben die unterschiedlichsten Objekte geprüft: von einer alten Jugendstilvilla an der Lahn bis hin zu einem verlassenen Kloster am Rande der Eifel. Dabei hatten wir das Gefühl, wie zwei Siedler auf einem Planwagen zu sitzen, bereit, neues Land einzunehmen: eine Mischung aus Abenteuerlust und tiefer Sehnsucht, endlich am Ziel anzukommen.

Vor drei Jahren waren wir kurz davor, uns endlich niederzulassen und unseren Traum zu leben: ein Landhotel, idyllisch am Waldrand gelegen, davor ein Badesee. Alle Ampeln schienen auf Grün zu stehen, 42 Behörden wurden beteiligt, Wasser- und Naturschutz stimmten zu. Dann am letzten Tag der Genehmigungsphase: die Ablehnung von der Oberen Forstbehörde. Ein Planungsfehler der Gemeinde. Zurück auf Anfang. Das Projekt war nach einem Jahr Vorbereitungszeit gestorben.

Diese Krise war eine massive Belastungsprobe – auch für unsere Ehe. Nach den genannten Objekten bereits das dritte Scheitern. Ein Freund erzählte uns von der Jagd des Geparden, der nur drei Chancen hat, seine Beute zu erledigen. Schafft er den dritten Anlauf nicht, reicht seine Kraft nicht mehr, um zu überleben. Ich weiß nicht, ob diese Geschichte wirklich stimmt, aber sie gab uns zu denken.

Auf jeden Fall waren wir beide zutiefst erschöpft und frustriert: Erneut war unser großer Lebenstraum geplatzt, und ich spürte, dass ich kurz davor war, das Bild von einem Gutshof ganz aufzugeben. Wären da nicht diese zwei nächtlichen Träume gewesen, an die ich mich morgens nach dem Aufwachen noch genau erinnern konnte. Sie weckten in mir erneut die Sehnsucht und ich spürte ganz klar: Wir dürfen unseren großen Lebenstraum nicht loslassen!

Dann wurden wir beide völlig unabhängig an den bereits genannten Film erinnert – „In einem fernen Land“ – und wir trafen eine wichtige Entscheidung: Lass uns eine große grüne Fahne nähen, die uns an unseren Traum erinnert. Gesagt, getan. Seitdem stand dieses Symbol direkt neben dem alten Büffet im Wohnzimmer. Vielleicht halten Sie mich jetzt für einen Spinner – kein Problem, damit kann ich gut leben. Doch diese grüne Fahne hat mich immer und immer wieder an unseren gemeinsamen Traum erinnert.

Zudem hat uns die Fahne auch bei der Immobiliensuche begleitet. Ilona und ich haben sie immer auf den Rücksitz unseres Autos gelegt und bei der Grundstücksbegehung als Indikator genutzt: Ist das wirklich das Land, wo wir in den kommenden Jahren unseren großen Lebenstraum verwirklichen wollen? Sie werden lachen: Wir haben bei den unterschiedlichsten Grundstücken die Fahne wieder ins Auto gepackt: Nein, das ist es nicht!

Im Januar 2016 spitzte sich die Situation plötzlich zu: Ich empfand einen großen Schmerz in mir, der mich an meine eigene Kinderlosigkeit erinnerte. Mir wurde bewusst, dass wir bereits sechs Jahre erfolglos suchten. Ganz offen stellte ich mir ein inneres Ultimatum: Entweder es klappt dieses Jahr – dem siebten Jahr der Suche – oder ich lasse den Traum von einem Gutshof wieder ganz los. Sie können sich sicher vorstellen: Meine Frau war von diesem Ultimatum gar nicht begeistert, doch ich spürte, dass mich die ewige Sucherei innerlich zu zerreißen drohte.

Im April dann ging es Schlag auf Schlag: Ilona und ich hatten beide den Impuls, dass wir im Herzen von Deutschland bleiben sollten zwischenzeitlich hatten wir bis an die belgische und österreichische Grenze gesucht. Ein Blick in die Wikipedia: Wo ist denn eigentlich das Herz von Deutschland? Große Überraschung: Südlich von Kassel – und nicht, wie wir dachten, in Limburg!

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Das Wohnhaus des Gutshofs

Zwei Tage später dann das Telefonat mit Michael Kugel, einem langjährigen Kollegen im Deutschen Knigge-Rat: Wie wäre es mit einem historischen Gutshof südlich von Kassel? Wir betrachteten das Exposé und waren ziemlich schnell wie elektrisiert. Am 20. April fuhren wir zum ersten Mal auf den Hof, stiegen aus und wussten schon nach wenigen Minuten: Das ist es! Staunend hörten wir, dass die Deutsche Stiftung Denkmalschutz in den letzten sechs Jahren mit sehr viel Liebe zum Detail bereits alles fertig restauriert hatte. Während wir sechs Jahre intensiv gesucht hatten, wurde in derselben Zeit einer der größten Gutshöfe in Hessen umgebaut. Was für ein Wunder Gottes, das mir immer noch die Gänsehaut über den Rücken treibt. Die Stiftung hatte die Idee, das ganze Anwesen in ein Veranstaltungszentrum umzuwandeln und hat diese Vision umgesetzt – ohne zu wissen, für wen. Für unseren Traum passte es perfekt!

Bereits am ersten Abend der Besichtigung war allen Beteiligten klar, wie gut wir zusammenpassen: Ort und Vision, Traum und Wirklichkeit. Doch nicht nur das: Auch die Gebäude und die historische Anlage bieten alles das, wovon wir viele Jahre geträumt haben. Die Seminare im historischen Uhrenhaus – mit Blick auf einen wunderschönen Garten, umrahmt von einer alten Bruchsteinmauer. Direkt daneben die Kapelle, die früher als Mähdrescherschuppen diente. Dazu ein See, der von altem Baumbestand umgeben ist. Und ein Gästehaus, das an der Stelle des alten Schafstalles, der vor Jahren abgebrannt ist, neu errichtet wird.

Sie ahnen schon, wie die Geschichte mit unserer grünen Fahne weiterging: Im alten Gutshof im Herzen von Deutschland hat sie jetzt ihren Platz gefunden. Wir sind nach langen Jahren dort angekommen, wo unsere Sehnsucht endlich ankern kann. Willkommen in der neuen Heimat!


Autor: Rainer Wälde

Rainer Wälde liebt es, durch Filme, Bücher und Vorträge seine Zuhörer in ihrer Originalität zu ermutigen. In seinem wöchentlichen Blog erzählt er ihre Geschichten: www.rainerwaelde.de



Kommentare

Doris und Ruedi Siegenthaler says

Liebe Ilona, lieber Rainer
Das ist ja Klasse. Danke für die Ermutigung wie ihr das erlebt habt.
Wir wünschen euch viel Erfolg und Gottes Segen.
Ja wir stehen an einem ähnlichen Punkt und sind gespannt wie es weitergeht. Plötzlich öffnen sich Wege worüber man nur noch staunen kann.
Herzliche Grüsse
Doris und Ruedi Siegenthaler

M. Roth says

Verrückte Geschichte! Und so ermutigend, danke fürs Teilen! Ich wünsche ein gutes Ankommen und viel Erholung in diesem schönen Ambiente :)

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