Schreiben und Wandern – Auf den Spuren des Selbst

Für die Herbstausgabe unseres Coachingsbriefes „Authentisch leben“ haben Dorothee Köhler und Sibylle Mühlke einen spannenden Erfahrungsbericht geschrieben. Die beiden Texterinnen verbinden „Schreiben und Wandern“. Hier ihr Bericht:

Sich bewegen. Atmen. Den eigenen Herzschlag spüren. Alle Sinne öffnen. Für den Weg, den Himmel, die Weite. Und für sich selbst. Die innere Stimme wieder hören. Aufschreiben, was sie zu sagen hat. Schließlich zurückkehren in den Alltag – mit neuer Klarheit und Energie: Wer sich selbst auf die Spur kommen will, zieht am besten die Wanderstiefel an, packt Schreibzeug ein und macht sich einfach auf den Weg.

Zur Ruhe kommen und Gedanken sortieren

Wandern hält jung, stärkt die Abwehrkräfte, senkt den Blutdruck, macht schlank und kreativ: Das ist keine gefühlte Wahrheit, sondern mittlerweile wissenschaftlich bewiesen. Wer mit offenen Augen und Ohren und einem offenen Herzen durch die Landschaft wandert, hat jedoch nicht nur die beste Methode gefunden, etwas für sich und seine Gesundheit zu tun – er kommt auch innerlich zur Ruhe. Gedanken und Überlegungen und das, was ihn bekümmert, fallen wie von selbst an den richtigen Platz. Draußen unterwegs sein, in den Himmel schauen, den Boden unter den Füßen spüren, räumt Kopf und Seele auf – und relativiert die eigene Existenz.

Mit dem Schreiben ist es ganz ähnlich: Es sortiert Gedanken, löst innere Spannungen auf, schenkt Klarheit. Menschen schreiben seit Tausenden von Jahren, um sich selbst auszudrücken. Ob als jugendliche Tagebuchschreiber, in Krisen- wie in glücklichen Zeiten, als spät Berufene oder routinierte Aufzeichner, quer durch alle Kulturen: Sie schreiben, um ihren Emotionen Worte zu verleihen, Sorgen loszuwerden, zu Entscheidungen zu kommen und sich zu erinnern. Sie schreiben in Tagebücher, Journale, Kladden, Dateien, auf Notizzettel, in Kalender. Um die erleichternde und erlösende Wirkung des Schreibens zu erleben, muss niemand literarischen Ansprüchen genügen. Schreiben befreit Menschen, wenn sie dabei ganz frei sind – ohne Erwartungen, unzensiert von anderen und deshalb auch von sich selbst.

Auf dem Weg zu unseren Lebensthemen

WandernWandern und Schreiben passen hervorragend zusammen, weil wir durch die körperliche Bewegung, weit weg vom Alltag mit all seinen Belastungen, unseren Geist mit neuen Eindrücken fluten. Wer durch die Natur wandert, sieht, hört, fühlt immens viel, sowohl im Außen als auch im Inneren. Wir laden uns also Hirn und Herz voll – und wenn wir diese Eindrücke und Empfindungen aufschreiben, stoßen wir unweigerlich auf unsere Lebensthemen: Wo liegen meine Wurzeln? Wohin führt mich mein Weg? Wie will ich leben? Wie kann ich besser für mich sorgen?

Oft geht es auch um Liebe, Trauer, Alter – die ganz existenziellen Themen, die jeden von uns beschäftigen und die wir im Alltag oft weit weg schieben. Wer Wandern und Schreiben verbindet, kommt in Kontakt mit sich selbst und findet einen Ausdruck für bisher nicht Wahrgenommenes. Das Wandern öffnet also den Zugang zu unseren Emotionen und durch das Schreiben finden wir Worte für das, was uns zwischen Kopf und Bauch herumschwirrt – aber warum wirkt es so befreiend auf uns?

Achtsamkeit üben und sich selbst akzeptieren

Eine der schlüssigsten Antworten auf diese Frage verbirgt sich hinter dem Schlagwort Achtsamkeit – damit gemeint ist eine ganz bestimmte Haltung, die ein Mensch sich selbst und auch gegenüber seiner Umwelt einnimmt. Wohlwollend, interessiert, offen und akzeptierend schaut der achtsame Mensch auf das, was sich um ihn herum, aber auch in seinem Inneren abspielt. Entscheidend dabei ist: Er bewertet es nicht. Weder die Steine und Sträucher am Wegesrand, noch die eigenen Emotionen und Gedanken. Das, was geschieht, ist weder gut noch schlecht. Es geschieht erst einmal.

Wandern und Schreiben übt diese achtsame Haltung gegenüber der Welt und sich selbst. Beim Gehen durch die Landschaft übt man quasi, das zu sehen, hören und zu riechen, was sich um einen herum befindet. Und kann dann auch die eigenen Emotionen genauso wie von außen betrachten – durch das Aufschreiben und mit zunehmender Geübtheit immer neutraler und wertfreier. So gelingt es immer mehr, die eigene Gefühlswelt und die Wahrnehmung der eigenen Emotionen als etwas zu sehen, das konstruiert ist, nicht zwingend so sein muss, sondern auch ganz anders erlebt werden könnte. Neue Erfahrungen und Lösungsmöglichkeiten für das, was belastet und quält, rücken in den Bereich des Möglichen. Es gelingt, eine gewisse Distanz zu den eigenen Emotionen aufzubauen. Sie gehen vorbei, diese Emotionen – sie sind nicht beherrschend oder gar bedrohlich. Und nur so lassen sie sich auch verarbeiten.

26605_Kundenbrief_AuthentischLeben_03_2014_RZ_Titel2Schreiben bringt uns also dahin, unsere eigenen Gefühle zu tolerieren, Druck auszuhalten und letztendlich das besser und ganz neu zu bewältigen, was uns das Leben in den Weg wirft. Aufnahme- und Empathiefähigkeit wachsen. Wir gewinnen ein ruhiges, reflektiertes und verständnisvolles Bild von uns selbst – und können auch andere Menschen mit all den Facetten ihrer Persönlichkeit so sehen. Langfristig ändert sich durch diese achtsame Haltung unsere Wahrnehmung, das Erleben und Verhalten – und schließlich auch unsere Hirnstrukturen, ganz ähnlich wie bei Menschen, die regelmäßig meditieren.

Ein Schreibritual für unterwegs

Wenn Sie also das nächste Mal zu einer Wanderung aufbrechen, packen Sie nicht nur Getränk und Imbiss in Ihren Rucksack, sondern auch Ihr Schreibzeug. Und wenn Sie mögen, dann suchen Sie sich unterwegs einen schönen Schreibplatz und schreiben zum Beispiel unter der Überschrift „Ich an diesem Tag“ auf, was Ihnen durch Kopf und Bauch geht. Ganz unzensiert und nur für Sie.
Entwickeln Sie daraus ein Schreibritual, werden Sie merken, dass Sie einen immer schnelleren Zugang zu dem finden, was in Ihnen ist. Sie gewinnen mehr Klarheit und können besser auf Ihre ureigenen Ressourcen zugreifen. Viel Freude dabei!

Dorothee Köhler und Sibylle Mühlke sind freie Texterinnen und leiten in ihren Schreibwerkstätten andere Menschen darin an, das Schreiben als Mittel zur Selbstreflexion und Persönlichkeitsentwicklung zu nutzen. http://wandernundschreiben.de




Kommentare

Cookies

Bitte wählen Sie eine Option (Hilfe):

Bitte wählen:

Ihre Auswahl wurde gespeichert

Hilfe

Hilfe

Um weiter zu surfen, müssen Sie eine Option auswählen. Wir erklären, wofür die Optionen stehen:

  • Akzeptiere alle Cookies:
    Es werden alle Cookies akzeptiert - auch die von externen Anbietern (Google etc.)
  • Akzeptiere nur erforderliche Cookies:
    Es werden nur Cookies dieser Seite erlaubt. Dies ist für die Seminaranmeldung und Hotelbuchung erforderlich.

Sie können Ihre Cookie-Einstellung jederzeit hier ändern: Datenschutz.

Zurück