Knigge Geschenke: Zuviel kann auch peinlich sein

Die Lounge ist bis auf den letzten Platz belegt: 250 Führungskräfte sind gekommen, um den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Lufthansa zu hören. Schon bei der Begrüßung wird klar: Der VIP Anteil ist heute besonders groß. Selbst Vertreter von Turkish Airlines sind eigens aus Istanbul für diesen Vortrag eingeflogen, dazu TV-Journalisten, erfolgreiche Firmenbosse – eine spannende Mischung. Dr. Christoph Franz hält einen packenden Vortrag über die Zukunft der Luftfahrt.

Die Geschenkübergabe als peinliches Event

Nach einer sehr kurzweiligen Fragerunde beginnt der Gastgeber, sich beim Lufthansa-Chef zu bedanken. Er ruft den Vorstand der Bank nach vorne, die das Event gesponsert hat und bittet ihn, bei der Geschenkübergabe zu assistieren. Das nun folgende Schauspiel ist so einzigartig, das ich es kurz beschreiben muss: Wie ein Schuljunge steht der Banker vor den geladenen Gäste und wird vom Gastgeber nun angewiesen, vom Tisch mit den Präsenten ihm die Kostbarkeiten anzureichen.

Die Reihenfolge ist genau geplant, hat aber mit dem Knigge Geschenke nichts zu tun: Zuerst ein Korb mit Säften der Firma X, dann ein Korb mit Würsten der Firma Y, ein Korb mit Früchten der Firma Z. Mit vielen blumigen Worten beschreibt der Gastgeber die Qualität der Geschenke und geht detailliert auf jede Firma ein: Ein kleines Paperback-Büchlein wird als Besonderheit gepriesen, eine Briefmarke als Kostbarkeit. Dann noch ein Buch, ein T-Shirt, ein Fußballerhemd – es geht zu wie bei Hoppenstedts an Heilig Abend.

Wenn es gar nicht um den Beschenkten geht

Dr. Franz macht gute Miene zum peinlichen Spiel, zumal die vielen Geschenke vom Gastgeber gar nicht überreicht, sondern wie ein Tombola-Gewinn erst angepriesen, hochgehalten und dann wortlos auf den Fußboden abgestellt werden. Das Ritual umfasst 12 Geschenke, die meisten belanglos, banal und unpersönlich. Meine Stimmung wechselt von einem ungläubigen Lachen zu einem peinlichen Blick des Fremdschämens.

Ich frage mich, was der ganze Zirkus soll: Um den hochrangigen Gast geht es in dieser Geschenke-Viertelstunde offensichtlich nicht, sondern alleine um die Sponsoren dieser Fress- und Lesekörbe. Die Würdigung eines Ehrengastes stelle ich mir anders vor. In jedem Fall wird der Lufthansa-Chef diese peinliche Provinz-Posse nicht mehr so schnell vergessen.




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