Was sind Karrierekiller auf dem Weg nach oben?

Nandine Meyden

Nandine Meyden und Rainer Wälde diskutieren über „Karrierekiller“

Ich schätze Nandine Meyden seit etlichen Jahren. Sie ist kompetent und ihres Selbst bewusst und weicht Konflikten nicht aus. Im Deutschen Knigge-Rat engagieren wir uns gemeinsam für eine Renaissance der Werte. Gestern hat sie in dieser Runde einen spannenden Vortrag über die „Geheimen Codes“ im Berufsalltag gehalten: Wer in der Arbeitswelt punkten will, sollte nicht nur die fachliche Kompetenz mitbringen, sondern auch die Verhaltensregeln beherrschen. Nandine Meyden  spricht von „Problembären“, die beruflich top sind und dennoch bei neuen Kontakten die sozialen Feinheiten missachten, weil sie die „Codes“ dieser Gruppe nicht kennen. Mal sind es grobe „Schnitzer“, mal banal erscheinende Details, die sich als Karrierekiller oder Stolpersteine erweisen. „Doch wer die Schlüsselpunkte nicht kennt, kann sie auch nicht erkennen“, betont die Berliner Kollegin.

Ein couragiertes Feedback von Kollegen und Vorgesetzten

Seit sieben Jahren arbeitet Nandine Meyden als Etikette-Experte im MDR Fernsehen. Montags ist sie bei „Hier ab vier“ live auf Sendung. Im Deutschen Knigge Rat plädierte sie gestern für ein couragiertes Feedback von Kollegen und Vorgesetzten: „Warum erhalten wir nach einer Präsentation immer nur ein fachliches Feedback? Warum traut sich niemand, auch die sozialen Faktoren anzusprechen?“

Im Knigge Rat entwickelt sich eine lebhafte Diskussion. Manche Unternehmen setzen wieder auf klar definierte Dresscodes, die den Mitarbeitern Sicherheit bieten, aber auch den Vorgesetzten im Rückendeckung bieten, wenn er einen Konflikt lösen muss. Was vielen Mitarbeitern nicht bewusst ist: Sie sind Teil der Firmenidentität. Jeder einzelne agiert als Botschafter des Ganzen. In ihrem aktuellen Buch listet Nandine Meyden zahlreiche „Karriekiller“ auf und legt den Finger in so manche Wunde: „Anzug ohne Inhalt“ nennt sie Menschen, die korrekt gekleidet bei manchem Auftritt punkten, mitunter auch blenden, und doch in entscheidenden Situationen versagen.

Auch Prominente kennen nicht alle Codes

Die Fauxpas passieren täglich – auf allen Hierarchie-Ebenen. Nandine Meyden zeigt ein Foto von Barak Obama, das 2009 bei seinem Besuch im Konzentrationslager Buchenwald aufgenommen wurde: Der US-Präsident gemeinsam mit einem jüdischen Überlebenden. Ein Bild der Betroffenheit, bis auf einen kulturellen Fehler: Obama hat beide Hände in der Hosentausche vergraben. Ein körpersprachlicher „Code“ der in unserer Kultur als „Wurstigkeit“, als fehlender Respekt  gedeutet wird. An diesem Ort sicherlich das falsche Signal.

Damit sind wir beim Weltbild des Einzelnen, aber auch bei seinem Selbst- und Fremdbild: Bin ich meiner Identität, meiner kulturellen und sozialen Herkunft bewusst? Kenne ich außer den Regeln meines Standes, meiner Firmenkultur, auch die Details, die in anderen gesellschaftlichen Schichten gelten? Hier ist Wissen um die geltenden Codes, aber auch praktische Hilfe gefragt. Wir sprechen uns im Deutschen Knigge Rat dafür aus, eine praktische Vereinbarung unter Kollegen zu treffen: „Du darfst mir das sagen“. Und wir ermutigen dazu, professionelle Unterstützung zu suchen: Ein Experte von außen kann auch in eingeschworenen Firmenteams helfen, die blinden Flecken sichtbar zu machen und unbekannte Codes zu entdecken.

 




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