Ist der Bart das Make-up des Mannes?

Ja, verehrte Herren, Sie haben richtig gelesen: Dieses Zitat stammt von dem Berliner Friseur André Goerner. Wie das Magazin „Stern“ in seiner aktuellen Ausgabe (16/2015) berichtet, zählt der Bart jetzt zum Standard – genauso wie „Marlene-Hosen oder Sneakers“.

Nun gut, frage ich mich da als 53jähriger Nicht-Bart-Träger, wer definiert in unserer Kultur eigentlich was jetzt „Standard“ ist und was nicht? Die Medien oder das Aktionskomitee „Hipster e.V.?

König-Drosselbart mit 30 Jahren

Die Geschichte rund um den Bart ist eigentlich ein uralter Hut. Bevor Gillette und Braun den glattrasierten Mann zum Ideal stilisiert haben, war die Gesichtsbehaarung immer wieder mal „in“ und dann auch wieder „mega-out“. Ich selbst habe auch meine Vollbart-Phase gehabt und grussle mich heute noch, wenn ich meine Bilder von damals sehe: War ich völlig von Sinnen und wie bescheuert sah ich damit aus? Aber mit 30 Jahren fand ich die König-Drosselbart-Nummer ziemlich cool.

Mit Bart in den Tagesthemen?

Dann kam die Imagephase: Männer mit Bart – so die Experten-Meinung – hätten etwas zu verbergen. Also schnell Rasierschaum drauf und weg mit der Jugendsünde! Kein namhafter Fernsehmoderator, Nachrichtensprecher traute sich noch unrasiert vor die Linse. Bis auf Ingo Zamperoni, der ein paar Tage mit flauschiger Matte am Hals die Tagesthemen moderierte.

Auch in der Wirtschaft: Ob CEO oder Handwerksmeister – glattrasiert war das Ideal. Wer vertrieblich beim Kunden punkten wollte, solle bitteschön Bartlos beim Kunden zu erscheinen.

Zurück zu André Goerner, dem Barbier aus Berlin und dem aktuellen Standard-Aufruf des „Stern“: Schaffen wir es wirklich, jahrzehnte alte Glaubenssätze der Businesswelt über Nacht ad acta zu legen? Ich glaube nicht!

Markantes Styling-Element

Der Bart – so cool er bei manchen Männern auch aussieht – verbirgt das Gesicht – ob ich das nun als männliches „Make-up“ verkaufe oder nicht. Er verändert das Erscheinungsbild, erzeugt einen deutlich stärkeren Effekt als Rouge oder Lippenstift. Er ist zudem ein klares Statement zum Mann-sein und ein modisches Styling-Element.

Ob Frau ihn mag, bleibt Geschmacksache, ob der Chef ihn schätzt, Privatsache. Jeder kann, keiner muss. Ich persönlich würde ihn im beruflichen Kontext nur Männern empfehlen, die in naturnahen Berufen arbeiten, wo Ursprünglichkeit und Nachhaltigkeit im Vordergrund steht.

Welche Imagewirkung hat der Bart?

In Branchen, die mit dem fragilen Gut Vertrauen und Transparenz handeln, würde ich dem Mann zum Nachdenken raten. Erst kürzlich habe ich dem Geschäftsführer eines Automobilzulieferes geraten, über das trendige Accessoire, noch einmal nachzudenken. Mit seinen silbergrauen Haaren und dem entsprechend colorierten Kinnbart auf dunkler Haut strahlt er eine seriöse Seniorität aus.

Doch aktuell orientiert er sich beruflich neu und sucht nach einem Arbeitgeber, der ihm sein Vertrauen als Führungskraft ausspricht. Mein Tipp: Im Bewerbungsverfahren besser auf diese extravagante Spielerei in einer konservativen Branche verzichten, weil sie irritieren könnte und zu sehr von der Person und seiner Kompetenz ablenkt.

Was ist Ihre Meinung zu diesem Thema? Schreiben Sie mir einen kurzen Kommentar….




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