Wir sind, was wir über uns denken

Mit welchem Tier würden Sie sich vergleichen? Ist es bei Ihnen eher der schlaue Fuchs oder die graue Maus, vielleicht auch die fette Kuh oder die zarte Gazelle? Es könnte ja auch der flatterhafte Schmetterling oder die Made im Speck sein.

Foto: Shutterstock

Worte malen uns Bilder vor Augen

Die deutsche Sprache ist da sehr einfallsreich und benutzt Bilder aus der Tierwelt, die wir mit Inhalt belegen und uns dazu passende Menschen mit deren Eigenschaften oder Äußerem vorstellen.
Die dumme Ziege kommt dabei nicht ganz so gut weg, weil die Frau, die damit tituliert wird, scheinbar etwas zickiges und nerviges an sich hat.

Und das zarte Küken mit seinem flauschig gelben Daunenkleid weckt sofort jeden Beschützerinstinkt, und ihr wird kaum etwas zugetraut. Das fette Walross steht dagegen wie ein Fels in der Brandung, kaum flexibel, und an dem kommt so schnell keiner vorbei.

Wenn wir uns also mit Tieren vergleichen oder verglichen werden, dann schwingt direkt auch eine Wertung, ein Erlebnis oder eine Geschichte mit.

Neugierig frage ich nach

Meine Kundin und ich stehen vor dem Spiegel und sprechen über Rocklängen. „Damit brauchen Sie mir gar nicht zu kommen! Ich ziehe nie Röcke an, weil ich Elefantenbeine habe.“ Da werde ich neugierig und frage nach, worauf sie mir erzählt, dass sie mit 5 Brüdern aufgewachsen sei und häufig solche Kommentare zu hören bekam: „Du bist doch gar kein richtiges Mädchen mit deinen Elefantenbeinen.“

Die Kundin hat also über 40 Jahre lang dieses Bild der grauen dicken Elefantenbeine mit sich getragen und ihre Beine als massiv, unförmig und überhaupt nicht feminin gesehen. Als sie dann den Mut fand, verschiedene Längen auszuprobieren, liefen plötzlich ein paar Tränen über ihr Gesicht: “Ich bin ja wirklich schön!“ Ihr Blick hatte sich völlig verändert.

Welches Bild tragen Sie in sich?

Wie Sie selbst von sich reden, sagt viel über Ihre Selbstwahrnehmung aus. Sie können ja mal Ihr Vokabular checken, ob da viele wertschätzende Bezeichnungen über Sie selbst dabei sind oder ob es mehr in die kritische oder destruktive Richtung tendiert. Das geht ganz einfach: Versuchen Sie mal, sich selbst oder ein Bild von sich zu beschreiben von oben nach unten und das Ganze mit dem Handy als Sprachnotiz aufzunehmen. Nutzen Sie viele Adjektive, die Sie beschreiben. Und hinterher notieren Sie sich alle Bezeichnungen, die Sie gefunden haben, mal auf einem Blatt Papier.

In einer Stilberatung ist mir das mal besonders aufgefallen, als meine XL-Kundin sich selbst und ihren Körper beschrieb. Und ich bemerkte sehr schnell, dass die gewählten Worte nicht gerade von Selbstachtung sprachen. Worte wie dicke Kuh, fetter Hals und Pferdehintern haben wir dann notiert und den Zettel dann symbolisch in den Müll geworfen. Wir stellten sehr schnell fest, das Worte über sich selbst auch mit der inneren Wertung und in diesem Fall Abwertung zusammen hängen.

Wertschätzende Worte und Gedanken über sich selbst

Als wir dann anfingen, mal zu sehen, wie ihr Körper wirklich gebaut ist, tauchten dann auf einmal ganz andere Begriffe auf wie feminine Kurven, strahlende Augen, ausgewogene Silhouette oder glattes Dekolleté. So haben wir also den Fokus verlegt auf Bereiche, die wunderschön, einzigartig oder besonders hübsch sind.

Es hat mich sehr berührt, diese Verwandlung bei der Kundin mit anzusehen. Jetzt meidet sie nicht mehr den Spiegel, sondern sucht und findet Stellen an sich, die Sie liebt und betonen möchte. Sie hat nicht mehr den Druck, sich erst verändern oder abnehmen zu müssen, um eine tolle Frau zu sein. Sie ist jetzt schon eine!

Wie denken Sie über sich selbst?

Das wäre jetzt ja mal richtig spannend von Ihnen zu hören, wie Sie über sich selbst denken. Okay, Sie werden ja jetzt gleich Ihr Vokabular checken. Und wo wir schon gerade dabei sind, können Sie ja auch direkt mal einen Körperteil von sich benennen, den Sie besonders toll finden. Da fällt Ihnen bestimmt was ein, oder?

Genau, die Liste mit Stellen, die uns nicht gefallen, ist viel schneller zusammen gestellt und wird auch viel länger. Aber versuchen Sie es trotzdem doch mal, ein Körperstelle zu benennen, die Sie lieben und toll finden.

Und wenn Sie Lust haben, unterhalten wir uns mal darüber, oder Sie sprechen mich an, um sich selbst auch auf das Abenteuer einer Stilberatung einzulassen, wo Sie sich selbst entdecken und sehen, was alles sonst noch so in Ihnen steckt. Ich freue mich drauf.


Autorin: Marion Ising

Marion Ising hat die Ausbildungen zur Typberaterin und Knigge-Trainerin bei der Gutshof Akademie absolviert und betreut außerdem das deutschlandweite Berater-Netzwerk.

www.typcolor.de/ising



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