Welcher Wohlklang. Schnapp. Der Deckel ist zu. Der Koffer platzt nicht und auch der Reißverschluss hält der Spannung stand. Das Koffer-Packen ist vollbracht. Jetzt ist es endlich Zeit für das Urlaubsfeeling.

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Die Bürde des Koffer-Packens

Es ist ja nicht so, dass ich mich nicht schon vorher freue, aber diese Freude ist immer ein bisschen gepaart mit einer dunklen Vorahnung, dass das dicke Ende nicht wirklich weit ist. Die Bürde des Packens lastet schwer auf meinen Schultern. Wenn mich eine Fee nach einem völligen eigennützigen Wunsch fragen würde, dann wünschte ich mir einen Butler, der für mich packt: „James, bitte richten Sie das Gepäck für zwei Wochen“… – und James packt emsig, leise und so, dass nichts knittert und ich widme mich entspannt der Urlaubslektüre und warte bis alles fertig ist. 

Wie machen Sie das – ganz ohne Butler?

Aber leider heißt James im richtigen Leben Evelyn und entspannt ist, bis mein Hintern im Auto, Flugzeug oder der Bahn sitzt, gar nichts. Nach dem Packen bin ich endgültig urlaubsreif und das, obwohl ich eine Urlaubsliste habe, was ja auch in Sachen „Hilfe bei Koffer-Packen“ voll im Trend ist.

Ich liebe Listen, denn sie entspannen mein Gehirn. Ein guter Freund sagt immer: „Dumm darfst Du sein, Du musst Dir nur zu helfen wissen“ – und so ist das mit den Listen auch. Ich habe also viele Listen, Zettel und Merkhelferlein, aber die Urlaubsliste ist die Wichtigste. In dieser Liste ist für alle Familienmitglieder vermerkt, was eingepackt werden muss -außer für meinen Mann, der aus meiner Sicht beneidenswert spontan packt. Außerdem stehen die Dinge drauf, die sozusagen für die Allgemeinheit den Weg in das Urlaubsdomizil finden müssen wie bspw. Fahrradhelme, Medizin, Adapter, die wir übrigens nie finden, wenn wir sie brauchen – kurz gesagt, auf dieser Liste steht ALLES. Eine super Liste.

Eine Liste – super Sache?

Sie klappt bei den Kindern auch super. Zwei lange Hosen, drei kurze Hosen, sieben T-Shirts etc. – einwandfrei – Klappe zu, Affe tot, Tasche fertig.

Aber dann kommt meine Tasche dran. Und auf einmal habe ich nicht nur die Ahnung, dass das dicke Ende kommt, sondern ich weiß jetzt auch, wann es kommt. Nämlich dann, wenn ich meine Liste mit Leben füllen und mich entscheiden muss. Da steht dann bspw. zwei Kleider. Ha, denke ich – kein Problem. Doch nach einer gefühlten Ewigkeit stehe ich dann vor meinem Bett, auf dem sich ein Klamottenberg türmt, weil zwei Kleider könnten ja auch zwei Röcke und Oberteile sein oder vielleicht doch eine Hose mehr…? Es dauert nochmals eine Ewigkeit bis ich das Chaos wieder beseitigt habe und mit einer Monsterlaune mal wieder nach den Adaptern suche. 

Wenn nichts mehr geht, kann nur eines helfen – Veränderung

Dieses Jahr habe ich es anders gemacht. Ich habe auf meiner Liste nicht die Stückzahlen vermerkt, sondern habe mir genau aufgeschrieben, welche lange Hosen, kurzen Hosen, Röcke, Kleider, Shirts, Blusen, Badesachen, Jacken, Gürtel, Schuhe, Sportsachen etc. ich mitnehmen möchte. Ausgetrickst – sehr entspannt am Rechner sitzend geplant, alles passt zueinander, kein nerviges Hin und Her. 

Tolle Idee. Tasche zu klein. 

Nach einer von „zehn auf null -Zählpause“ habe ich dann Folgendes getan:

  1. Liste nochmals filtern, was tatsächlich den Anforderungen unseres Urlaubs entspricht und das aussortieren, was zwar schön, aber nicht praktisch ist (wieviel Aktives, wieviel Formales, wieviel Lazy?)
  2. das Beneidenswert-Spontane meines Mannes assimilieren, nämlich das auszuwählen, was mir gerade am besten gefällt und dadurch Lieblingssachen dabeihaben, die ich dank der gedanklichen Vorarbeit für die Liste gut kombinieren kann
  3. mit Magic Einpack -Tricks die Packtechnik weiter optimieren.

Entscheiden heißt das Zauberwort …

Wenn man so will, ist Koffer-Packen eine Management-Aufgabe: Die Vorarbeit strategisch machen, Entscheidungen treffen und umsetzen und dabei so flexibel sein, dass man den Tupfen für das fertige „I“ je nach Situation aus dem Bauch heraus platzieren kann. 

Wie steht´s mit Ihnen? Sind Sie ein guter Koffer-Manager? Können Sie gut planen, entscheiden und umsetzen? Oft hat man ja ein „Muster“, das sowohl für die kleinen, aber auch die großen Entscheidungen gilt. Manchmal lohnt es sich offenbar, genauer darüber nachzudenken.

Jetzt ist der Koffer zu und ich kann mich in Ruhe auf den Urlaub freuen. Die Adapter habe ich übrigens gerade gefunden – wenn ich mir das auf die Liste schreibe, dann hat es James nächstes Jahr vielleicht leichter.

Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit, bis September – nach dem Auspacken. 

Herzlichst, 

Ihre Evelyn Siller

Evelyn Siller
Evelyn Siller

Evelyn Siller ist Ausbilderin Personality Styling bei der Gutshof Akademie.2012 gründete sie ihr Unternehmen für Strategisches Image Consulting in Stuttgart. Sie unterstützt Führungskräfte, Unternehmen und alle, die durchstarten wollen, beim perfekten Auftritt.

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