Neue Männer braucht das Land

Das hat jedenfalls Ina Deter im Jahr 1982 gesungen. Sie suchte einen netten Hünen mit einem schönen Lachen. An diesem Wunschbild vieler Frauen hat sich seither vermutlich nicht viel geändert und doch scheint es heute nicht mehr so einfach zu sein.

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Es läuft nicht rund

Die Statistiken zählen so viele Singles wie nie zuvor. Der Individualismus steht hoch im Kurs. Auf der anderen Seite haben Partnerbörsen Hochkonjunktur und die Sehnsucht nach einer echten Partnerschaft und großer Liebe scheint überall spürbar. Angebot und Nachfrage sind da, passen aber irgendwie nicht zusammen – und wenn zwei Menschen doch zueinander gefunden haben, entwickelt sich oft nach dem Abblättern der Frischverliebtheit schon relativ bald eine gewisse Ernüchterung.

Gegensätze ziehen sich doch an – oder nicht?

Dass Männer und Frauen sich in vielem unterscheiden, ist nichts Neues und Kontraste sind ja an sich sehr reizvoll. Gegenpole ziehen sich an. Die Venus kann nicht ohne den Mars – und umgekehrt. Eigentlich müsste dieses Mann-Frau-Ding laufen wie geschmiert. Tut es aber nicht, weil die Welt mit ihren Möglichkeiten und Anforderungen vielfältiger und komplexer geworden ist und weil sich die Erwartungen, die an einen Mann/an eine Frau gestellt werden, grundlegend verändert haben.

Das Männerbild verändert sich

Früher waren die Rollen klar verteilt. Jedes Geschlecht hatte seine Aufgaben, die sich seit Säbelzahntigers Zeiten entwickelt haben. Der eine jagte das Mammut und sorgte für das Rudel, die andere hielt Hof und Heim in Ordnung und kümmerte sich um die Brut. Getreu dem Motto „Ich Tarzan, Du Jane“ beschützte der Mann, stark und furchtlos, während die Frau für ihn und die Familie da war. Wer für das Überleben sorgte, sagte, wo es lang ging. Klare Sache, keine Grauzonen, klare Erwartungshaltungen.

Lila Frauenpower verschiebt die Macht

Heute hingegen hat sich Dank vieler starker Frauen und Männer in vielen Bereichen Gleichberechtigung entwickelt. Oftmals jagen jetzt Beide das Mammut und kümmern sich auch gemeinsam um Brut, Hof und Heim, was ja auch eigentlich alle freut. Wenn da nur nicht die Sache mit der Unklarheit in den Aufgaben, den nun notwendigerweise erforderlichen Abstimmungsprozessen und vor allem mit den sich je nach Lebenssituation verändernden Erwartungshaltungen wäre.

Wann ist ein Mann ein Mann?

Heute ist Mann-Sein nicht mehr so einfach wie früher, denn die Anforderungen sind ganz unterschiedlich, je nachdem, in welchem Alter und in welcher Situation er sich befindet. Ein Mann muss alles sein – also starker Beschützer ohne den Macho rauszuhängen, erfolgreich aber natürlich jederzeit für die Kinder da, vorausgehender Macher und dabei rücksichts- und liebevoll.

Dieses Verbinden oft gegensätzlicher Anforderungen führt meiner Beobachtung nach dazu, dass die Männer verunsichert und zuweilen orientierungslos verharren, weil sie nicht wissen, was sie jetzt wann oder wie tun sollten, könnten oder müssten.

Die Tragik der Frauen – Frauenpower oder ausgepowerte Frauen?

Ein großes Thema vieler Frauen ist der eigene Anspruch, die Flut an Aufgaben perfekt zu erledigen. Das menschliche Stammhirn ist so langsam und will die alten Glaubenssätze, die es jahrhundertlang als relevante Verhaltensgrundlage gehabt hat, nicht einfach so loslassen. Das führt bei den Frauen dazu, dass sie sich permanent schuldig fühlen. Schuldig, weil sie sich nicht so um die Kinder kümmern, wie es die Urahnin in der Höhle getan hat. Schuldig, weil sie ja emanzipiert arbeiten können und wollen, aber oftmals nicht immer zu jeder Zeit auf das Mammutjagen fokussiert sind, wenn hinten die Brut brüllt. Viele Frauen mutieren unter dem Deckmantel der Emanzipation zur Nonstop-Arbeitsbiene und sie fragen nicht nach Hilfe, weil sie das als Versagen empfinden.

Das Dilemma der Grauzone

Viele Frauen powern sich bis zur Erschöpfung aus, während viele Männer nicht mehr so genau wissen, was ihre Rolle und Aufgabe ist. Was soll Tarzan tun, wenn Jane sich selbst von Liane zu Liane hangelt und ihm verbietet ihr zu helfen, auch wenn sie sich kaum noch festhalten kann?

Diese Verunsicherung beider Geschlechter sieht man auch in der Mode. Während die Frauenmode immer unförmiger wird und kaum noch weibliche Formen zeigt, wird die Herrenmode immer enger, kürzer und kindlicher. Die Herren tragen Dutt und bei den Frauen geht der Trend zur Körperbehaarung und Verzicht auf Make Up. Es stellt sich für mich die Frage, ob hier die jeweiligen Stärken fokussiert werden.

Das Land braucht nicht nur neue Männer, sondern auch neue Frauen

Die Frauen müssen weg vom schlechten Gewissen und dem Drang, gleichzeitig alte und neue Zöpfe perfekt zu flechten. Liebe Frauen, nutzen Sie die in den letzten Jahrzehnten gewonnenen Räume und Möglichkeiten und trauen Sie sich, trotzdem und gerade deswegen Frau zu sein. Emanzipation heißt nicht „Alles alleine machen“, sondern für sich entscheiden dürfen, was Sie tun wollen und wie SIE es tun wollen ohne jemandem Rechenschaft abzulegen. Fragen Sie um Hilfe, wenn Sie sie brauchen oder wollen. Lassen Sie die Männer wieder Gentleman sein.

Die Männer dürfen ihre Stärke mit ihrer Verletzlichkeit vereinen. Dem Indianer darf es auch mal weh tun. Nicht Macho-Gehabe und körperliche Überlegenheit macht den Mann des 21. Jahrhunderts aus, sondern seine Bereitschaft, mehrere Rollen zu übernehmen und sich trotzdem treu zu bleiben.

Liebe Männer, hören Sie auf, unsicher innezuhalten. Schauen Sie hin und werden Sie aktiv. Machen Sie das, was die Männer immer schon getan haben: Kämpfen Sie, beschützen, jagen Sie, aber verzichten Sie auf den Tunnelblick, damit Sie bemerken und fühlen, wenn Hof, Heim und Brut Ihre Unterstützung brauchen. Seien Sie partnerschaftlich und ritterlich zugleich – eben ein Macher mit Format, Anstand und Herz.

Authentisches Format durch Selbsterkenntnis

Ein wunderbarer Weg, sich im Dschungel der vielen Möglichkeiten zu positionieren und viel über sich zu lernen, ist die Typberatung. Kleidung sagt viel über die eigene Identität und das, wie wir von anderen wahrgenommen werden, aus. Nutzen Sie die Gelegenheit, sich mal mit „Analyse-Augen“ zu sehen und alle Ihre Facetten zu entdecken. Sie werden erkennen, wie Sie Ihre Stärken individuell und authentisch leben können und dadurch die Rollen in Ihrem Leben bravourös meistern.

Übrigens, wenn Sie Lust haben, Menschen auf ihrem Weg zu ihren Stärken und ihrem Format zu begleiten: In 2019 starten neue Ausbildungseinheiten als Personality Stylist und im Dezember 2018 können Sie sich als Stilberater/Stilberaterin für Herren zertifizieren lassen.

Viel Spaß beim Echt-stark-und-echt-schön-Sein wünscht Ihnen

Ihre Evelyn Siller


Autorin: Evelyn Siller

Evelyn Siller ist Absolventin der Gutshof Akademie und Geschäftsführerin bei quintessence in Stuttgart. Sie unterstützt Führungskräfte, Unternehmen und alle, die begeistern wollen, beim perfekten Auftritt, denn ein sympathischer und kompetenter erster Eindruck öffnet Herzen und Türen.

www.quintessence-stuttgart.de



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