Menschen mit einer Behinderung stehen nicht auf Mitleid, sondern auf Manieren

Gelten Distanzzonen für alle Menschen?

Diese und andere Fragen kommen auf, wenn man einem behinderten Menschen begegnet. Reagieren Sie stilsicher? Wie findet man den richtigen Mix aus Nähe und Distanz, um Jedem respektvoll zu begegnen? Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Wie viel Nähe ist erwünscht und wo werden Grenzen überschritten?

Foto: Shutterstock

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Auch Menschen mit einer Behinderung fühlen sich wohl und geachtet, wenn man ihr Distanzbedürfnis und ihre Grenzen respektiert. Fragen Sie deshalb immer, bevor Sie Ihre Hilfe anbieten, ob diese überhaupt erwünscht ist. Und ganz wichtig: Fragen Sie die Person direkt und nicht deren eventuellen Begleiter. Menschen mit einer Behinderung sollten Sie selbstverständlich nicht ungefragt berühren, auch deren  Hilfsmittel sind etwas sehr Persönliches und für Fremde tabu.

Umgekehrt dürfen auch Menschen mit einer Behinderung die Knigge-Regeln im Rahmen ihrer persönlichen Möglichkeiten lernen, um sich in der Gesellschaft stilsicher zu bewegen!

Ein Beispiel aus meiner Seminarpraxis:

Ein großer Erfolg

In einem Knigge Seminar für Menschen mit Behinderung gab es schon auch mal Tränen.     Ein älterer Herr mit Down-Syndrom versuchte vergeblich, mit Messer und Gabel zu essen. „Geht nicht, schaff ich nicht“, erwiderte er auf meine Aufforderung, beide Besteckteile zu benutzen. Nach mehrmaligen Versuchen brach er in Tränen aus. Ich ermutigte ihn, es später noch einmal zu versuchen und widmete mich der nächsten Teilnehmerin. Als diese es schaffte und sie freudestrahlend Ihr Können demonstrierte, nahm der Herr plötzlich das Besteck wieder in die Hände und versuchte es nochmal. Diesmal gelang es ihm; schnell waren die Tränen versiegt und ich erntete ein strahlendes Lächeln. Ein großer Erfolg!

Mit welchem Recht werden erwachsene Menschen mit einer geistigen Behinderung geduzt?

In der Einkaufsberatung mit erwachsenen Menschen mit einer geistigen Behinderung erlebe ich es immer wieder, dass diese wie selbstverständlich von der Verkäuferin geduzt werden. Ich frage mich dann; mit welchem Recht? Ist es Gedankenlosigkeit, Mitleid oder fehlender Respekt?

Machen Sie es anders!

Generell gilt: Erwachsene mit und ohne Behinderung werden gesiezt! Verzichten Sie darauf, Menschen auf die Behinderung zu reduzieren.

Gute Umgangsformen stehen allen Menschen! Ich wünsche Ihnen viele positive Begegnungen!


Autorin: Gudrun Scherzinger

Gudrun Scherzinger ist Personal Image Coach und seit 2015 systemischer Coach und Berater. Sie hat das Projekt Barrierefrei Schönsein ins Leben gerufen.
http://www.typcolor.de/scherzinger



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