Danke. Es ist genug.

Es hat keinen Quadratmillimeter mehr Platz auf dem Teller. Kunstvoll sind die Leckereien nebeneinander und übereinander geschichtet und trotzdem finden die Augen immer noch etwas, das unbedingt auch noch drauf passen muss. Die Schlacht am Buffet hat begonnen.

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Innere Selbstgespräche vor dem Buffet

„Nur noch ein kleines bisschen von dem Kartoffelsalat. Und das Gemüse sieht ja auch wunderbar aus. Wenn ich die Quiche ein Stückchen nach rechts schiebe, passen sie auch noch drauf. Oooh, und da gibt es noch …“ So oder ähnlich laufen die inneren Selbstgespräche vor einem gut gefüllten Buffet. Das Ende vom Lied sind Teller, die bis zum letzten Quadratmillimeter vollgeladen sind und nach deren Verzehr man das Gefühl hat, in den nächsten drei Jahren nie wieder etwas essen zu können.

Wie gut es wäre, rechtzeitig sagen zu können: „Danke. Es ist genug.“

Die Augen sind müde und die Nacht hat diesen Punkt tiefster Stille erreicht. Die Zeit ist wieder einmal verflogen. Die Arbeit, das Computerspiel oder das Fernsehprogramm hat so gefesselt, dass der Zeitpunkt für einen guten Schlaf längst überschritten ist. Man krabbelt müde ins Bett und spätestens am nächsten Morgen, wenn der Wecker klingelt, verspricht man sich selbst, an diesem Tag ganz sicher früher ins Bett zu gehen – nur um dieses Versprechen später am Abend wieder lockerflockig über Bord zu werfen.

Wie gut es wäre, rechtzeitig sagen zu können: „Danke. Es ist genug.“

Eigentlich möchte man schnellstmöglich die Flucht ergreifen oder zumindest schreiend in die Tischplatte beißen. Stattdessen hält man den Mund und versucht, höflich und professionell zu bleiben und sich seinen Unmut nicht anmerken zu lassen, der einen bei diesem unreflektierten Stammtischgeschwätz/ dieser Art, mit Mitmenschen umzugehen/ diese Weise, Menschen zu führen etc. überfällt. Doch dieses Mund-Halten frisst die gute Laune, die eigenen Werte und möglicherweise auch die Selbstachtung.

Wie gut es wäre, rechtzeitig sagen zu können: „Danke. Es ist genug.“

Es braucht einen kleinen, aber festen Ruck, um zuhause die Schranktür zu schließen, denn eigentlich ist dieser voll. Randvoll. Aber dieser Pullover ist so unwiderstehlich günstig und blau geht ja immer. Es sind zwar schon acht andere Pullover vorhanden, aber wenn man diesen hier liegen ließe, hätte man das schale Gefühl, eine gute Gelegenheit Geld zu sparen, verpasst zu haben. Und so liegt nach dem Schnäppchenkauf der neunte Pullover im Schrank.

Wie gut es wäre, rechtzeitig sagen zu können: „Danke. Es ist genug.“

Der Blick in den Spiegel macht unzufrieden. Immer diese strubbeligen Haare. „Und übrigens, dünner warst Du auch schon mal. Das kommt davon, dass Du immer so faul auf der Couch rumliegst. Und was ist das, kriegst Du etwa ein Doppelkinn? … .“ Wir sind Meister darin, uns selbst fertig zu machen und klein zu reden. So lange und immer wieder, bis man sich mies und auf ganzer Linie unattraktiv fühlt. Bis es einem so richtig schlecht geht.

Wie gut es wäre, rechtzeitig sagen zu können: „Danke. Es ist genug.“

Zieleinlauf. Eine gute Zeit steht auf der Uhr. Freude und Erleichterung brechen sich Bahn. Und auch Stolz. Genugtuung, sich und die Strecke bezwungen zu haben. Bis sich diese Stimme im Kopf meldet und sagt: „Naja, eine persönliche Bestzeit bist Du wieder nicht gelaufen“ – und das war es dann mit der ungetrübten Freude. Wie gut es wäre, rechtzeitig sagen zu können: „Danke. Es ist genug.“

Genug ist ein ganz wunderbares Wort.

Dieses kleine Zauberwort ist leider fast vom Aussterben bedroht. Bedroht von immer mehr Arbeit. Bedroht von immer größeren Erwartungshaltungen. Bedroht von immer größeren Ansprüchen. Vor allem der Ansprüche an uns selbst.

Dieses kleine Wort ist ein gutes Wort. Weil es leichter atmen lässt. Weil es sofort entspannt und leicht macht. Damit kann man gut Maß halten – sowohl mit den Dingen, die Kraft rauben, als auch mit der Wertschätzung für die Dinge, die bereits erreicht wurden und vorhanden sind.

Genug ist das Wort, das gut tut – weil es aufzeigt, was und wieviel wir brauchen.

Dankbarkeit und Wahrnehmung sind Voraussetzung

Man darf und sollte sich wahrnehmen: Bin ich schon satt? Bin ich müde? Bin ich genervt?

Wir dürfen hinschauen. Was habe ich bereits – und vor allem: Wie schätze ich das wert? Bin ich dankbar für das, was ist?

Dann können wir gut entscheiden, wann wir genug haben. Genug zu essen. Genug gearbeitet für heute. Genug Geld auf dem Konto, um heute glücklich zu sein. Genug PS im Auto, Speicherplatz auf dem Handy und Freunde auf Facebook. Genug Freizeitaktivitäten und Reisen. Genug erreicht.

Dann weiß ich, wann ich genug maximiert habe. Man muss nicht immer alles herausquetschen, was möglich ist und das am besten auf einmal.

Und wir erkennen, woran wir nicht sparen sollen, denn es gibt Dinge, von denen kann es nie genug geben: Lob, Anerkennung, Liebe, mehr Kommunikation, mehr Verständnis, mehr Güte.

Wer entscheidet, wann es genug ist?

Das ist der schwierigste Teil an dieser Geschichte, denn entscheidend ist dabei nur eine Person: Jeder für sich.

Gerade für die nun vor uns liegende Zeit der Fülle – sowohl materiell als auch emotional – wünsche ich Ihnen deshalb das Allerbeste. Vielleicht hilft auch Ihnen die kleine Maßeinheit „Genug“, um Ihre Kräfte einzuteilen, Ihre Speicher sorgsam zu füllen und genug schöne Erfahrungen mit Ihren Lieben und Zufriedenheit mit ins kommende Jahr zu nehmen.

Bis dahin mit herzlichen Grüßen

Evelyn Siller


Autorin: Evelyn Siller

Evelyn Siller ist Absolventin der Gutshof Akademie und Geschäftsführerin bei quintessence in Stuttgart. Sie unterstützt Führungskräfte, Unternehmen und alle, die begeistern wollen, beim perfekten Auftritt, denn ein sympathischer und kompetenter erster Eindruck öffnet Herzen und Türen.

www.quintessence-stuttgart.de



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