Nie im Leben hätte ich daran gedacht, einmal ein Hotel zu führen. Doch eines Tages meldete sich mein Papa an und sagte mir am Kaffeetisch: „Glaudia, jetzt darfst du weitermachen.“ Und irgendwie passt es auch tatsächlich zu mir: Ich hab schon immer gerne Gäste eingeladen und sie verwöhnt.

Foto: Christine Hofmann

Ein offenes Haus

Das kommt sicher auch daher, dass meine Eltern ein offenes Haus hatten und sehr oft Menschen bewirteten. Von klein auf durfte ich vieles von meiner Mama lernen: Tische eindecken, Servietten hübsch falten, Blumen stecken, Wurst- und Käseplatten legen usw. Das übernahm ich schon als kleines Mädchen. Ja, und all das brauche ich nun in meinem Hotel Inspiration.

Der Gast ist König…

Mittlerweile durfte ich viele Gäste aus aller Welt beherbergen und habe auch schon so einiges erlebt. Wenn ich z. B. einen Gast auf sein Zimmer bringe, ihm die Tür zum Aufzug aufhalte und ihm mit einem „Bitteschön“ den Vorrang gebe, ist dieser oft überrascht und meint: „Ladies first.“ Meine Antwort wiederum: „Der Gast ist König.“, worauf dieser lachend zuerst in den Aufzug geht.

Die Aussage von mir ist aufrichtig gemeint und beinhaltet mit der Hochachtung und Wertschätzung meines Gastes gegenüber gleichzeitig einen Appell: Wenn ich meinen Gast wie einen König behandle, ist es angebracht, dass dieser sich auch wie einer benimmt.

…und sollte sich wie ein König verhalten

Dazu gehört ganz selbstverständlich ein freundlicher Umgangston, aber auch, sich an bestimmte Regeln zu halten. Wenn ich z. B. als Raucher in einem Nichtraucherzimmer den Rauchmelder von der Decke schraube, damit ich „unbemerkt“ trotzdem rauchen kann, dies am nächsten Tag abstreite und das Housekeeping anschwärze, mache ich meinem Gastgeber keine Freude.

Bei diesem einmaligen Fall stellte ich mich ganz klar hinter meine Mitarbeiterinnen, denen so ein Verhalten nicht in die Schuhe geschoben werden kann – weil auch keine von ihnen raucht.

Eine derartige Situation lässt sich durch gute Kommunikation ganz leicht vermeiden. Sagen Sie bei der Buchung, dass Sie ein Zimmer mit Terrasse oder Balkon wünschen, weil Sie rauchen möchten. Und wenn Sie dies dann machen, schließen Sie die Tür zum Zimmer, damit es nicht nach drinnen qualmt.

Ein weiteres Beispiel: Wird das Frühstück bis 10:00 Uhr angeboten, ist es nicht sehr rücksichtsvoll den Servicemitarbeitern gegenüber, um 09:55 Uhr zum Buffet zu erscheinen und sich bis 10:45 Uhr zum Frühstücken Zeit zu lassen. Oder stellen Sie sich vor, Sie liegen in Ihrem Hotelzimmer und sind gerade am Einschlafen, als weit nach 23:00 Uhr ein paar andere Gäste lautstark durch den Gang marschieren und die Zimmertüren ins Schloss fallen lassen. Dies ist kein taktvolles Verhalten eines Königs anderen Königen gegenüber.

Die Goldene Regel

„So wie ihr von den Menschen behandelt werden möchtet, so behandelt sie auch.“, das hat Jesus Christus im Matthäusevangelium gesagt. Diese „Goldene Regel“ ist die Grundlage unseres zwischenmenschlichen Zusammenlebens. Jedes Kind lernt sie spätestens in der Grundschule.

Wenn wir alle anfangen, uns immer wieder mal Gedanken darüber zu machen, wie wir selber behandelt werden wollen,  dann werden wir rücksichtsvoller, aufmerksamer, respektvoller und freundlicher mit unseren Mitmenschen umgehen – egal, ob in der Familie, im Freundeskreis in der Arbeit oder als Gast in einem Hotel.

Glaudia Chestnut
Glaudia Chestnut

Glaudia Chestnut hat an der Gutshof Akademie die Ausbildung zum Image-Consultant sowie zur Wohnberaterin abgeschlossen. Sie hat einen Magister in Politikwissenschaften und leitet mit ihrem Mann das Hotel Inspiration im südostbayerischen Tittmoning. Sie unterstützt Menschen, sich in der Geschäftswelt und in der Politik professionell zu präsentieren, nach ihrem Motto: manifest your best!

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