Proportionen ins richtige Licht gesetzt

Ich sitze im EC von Ulm nach Hause und genieße den Blick hinaus über die nun endlich grünende Landschaft. Natürlich gibt es noch etliche kahle Stellen, aber der Frühling ist nun unaufhaltsam in unser Land eingezogen, mit saftigen Wiesen und weißblühenden Bäumen.

Meine Gedanken schweifen zurück zu den letzten beiden Tagen. Wie habe ich diese Zeit an der Donau genossen, die lauen Abende in der Altstadt und auch die Möglichkeit, einmal wieder ohne Zeitdruck bummeln zu gehen. Wie mir ging es unglaublich vielen, und so tummelten wir uns tagsüber draußen im Sonnenschein mit dem ersten erfrischenden Eis in der Hand oder in den Geschäften auf der Suche nach einem hübschen Schönwetter-Kleidungsstück.

Foto: Shutterstock

In der Fußgängerzone sah ich schon die knöchelkurzen Hosen, die frühlingshaften Röcke und Kleider mit  auffälligen Rüschen und Volants, sogar die schulterfreien Oberteile erblickte ich hier und dort bereits. Und wieder einmal musste ich feststellen, dass zu einem gelungenen Outfit doch einiges mehr gehört als nur die Wahl eines Kleidungsstücks aus der aktuellen Mode.

Die Qual der richtigen Wahl

Die Wahl der richtigen Farbe ist mittlerweile gut bekannt und wird auch positiv eingesetzt. Doch weitere Faktoren, die zu einem gelungenen Outfit gehören, kennen viele wiederum leider nicht. Wussten Sie, dass manche zum Beispiel den Fehler begehen, beim Versuch ihre unliebsame „schwachen Stelle“ zu verdecken, diese erst recht betonen?

Besonders spannend fand ich da eine junge Dame, die vor mir an der Ampel stand. Sie war von recht kleiner, üppiger Statur mit weiblichen Kurven und trug zu ihrem Kurzkleid mit großem buntem Ringelmuster und Volant am Saum, schwarze Leggings und dazu Overknee Stiefel aus hellgrauem Wildleder mit Fransen am Schaft.

Sicherlich wollte sie ihrer Individualität mit ihrem Outfit Ausdruck verleihen. Aber vielleicht wollte sie durch die Kleidung auch von ihrer Körpergröße oder ihren Proportionen ein wenig ablenken. Denn was sie sicherlich nicht wahrnahm war die Tatsache, dass sie durch ihre Wahl optisch um einiges kürzer und fülliger erschien, als es ihr vermutlich lieb war.

Der gequälte Blick in den Spiegel

Sie kennen das bestimmt auch: Sie stehen vor dem Spiegel und Ihre ganze Aufmerksamkeit fokussiert sich auf diese ein oder zwei Stellen an Ihrem Körper, mit denen Sie gefühlt schon Ihr ganzes Leben hadern. Und was tun Sie dann? Natürlich versuchen Sie es zu kaschieren. In der Regel passiert das dann dadurch, dass mehr Stoff gewählt wird oder, dass man zum Beispiel zu einer großen Gürtelschnalle greift, um ein „Zuviel“ am Bauch zu verstecken. Aber überraschenderweise passiert dann genau das Gegenteil – Sie legen sozusagen noch ein paar Gramm „oben drauf“.

Oder Sie wollen, wie die junge Dame an der Ampel, von etwas ablenken und legen dafür etwas Auffälliges oben drüber. Doch genau das zieht natürlich die Blicke auf sich.

Wie könnte man also geschickt auswählen

Ich möchte Ihnen paar einfache Grundregeln an die Hand geben, mit deren Hilfe Sie Ihre individuellen Proportionen positiv ins Licht setzen und die Sie leicht umsetzen können:

  • Horizontale Linien verbreitern optisch die Stelle, an der sie sich befinden und verkürzen gleichzeitig die Körperlänge. Umgekehrt lassen Sie Längsstreifen oder vertikale Linien schlanker erscheinen und verlängern optisch Ihre Größe.
  • Auch der Wechsel von unterschiedliche Farben lässt horizontale Linien entstehen. Ton-in-Ton dagegen vermittelt eine einheitliche Optik und somit mehr Länge.
  • Dunkle Farben und matte Materialien nehmen optische die Wirkung zurück; Helles und Glänzendes hebt hervor und betont.
  • Wenn Sie von einer Stelle ablenken wollen, betonen Sie geschickt eine günstigere in unmittelbarer Nähe.
  • Weichere Stoffe die körpernah, aber nicht hauteng getragen werden, umschmeicheln geschickt das ein oder andere Problemzönchen, ohne zusätzlich aufzutragen. Gröbere Stoffe, wie Cord, Bouclé oder gesteppte Materialien zum Beispiel tragen zusätzlich auf.
  • Der Farbverlauf Ihres Outfits sollte als kleinere Person von unten nach oben heller werden, statt oben die dunkelste Farbe zu tragen, denn dies drückt und lässt kleiner erscheinen. Diese Wahl wäre eher für größere Personen geeignet.
  • Passen Sie nach Möglichkeit die Größe von Mustern proportional Ihrer eigenen Größe und Ihren Proportionen an, so ergibt sich ein harmonisches Gesamtbild.

Meine Gedanken schweifen noch einmal zurück zu der jungen Dame in Ulm, die mittlerweile die Straße überquert hat und ihrem dort wartenden Freund lachend in die Arme fällt. Und ich denke, dass bei all dem Wissen um das richtige Outfit, die innere Zufriedenheit und das Gefühl, geliebt zu werden, wesentlich ausdrucksstarker und überzeugender sein kann.

Und genau in diesem Moment dreht sie sich um und lächelt. Ja, dieses Lachen kleidet sie ausgezeichnet!


Autorin: Bettina Hertzler

Bettina Hertzler ist langjährige Typ- und Imageberaterin und seit 2014 Personal-Image-Coach. Sie berät Privatpersonen, Mitarbeiter von Verwaltung und Unternehmen, Selbständige, sowie Politiker in Stilfragen und Persönlichkeitsentwicklung.
Ihr Motto: Zeige, was in dir steckt!

www.bettina-hertzler.de



Kommentare