Wohnberatung im Hotel

Mit Farben Wohnatmosphäre schaffen

Nie hätte ich gedacht, mir eines Tages Gedanken über die Einrichtung eines kompletten Hotels zu machen. Doch dann stand ich plötzlich vor dieser Herausforderung. Wie könnte ich ein solches Projekt erfolgreich umsetzen? Manche denken vielleicht: „Ach, da ist ja eh nur ein Zimmer von jeder Kategorie zu entwerfen, und die Sache hat sich…“ Möglich. Einfach. Machbar.

Ich hatte da aber andere Vorstellungen. So, wie jeder Mensch einzigartig ist, besonders, ein Unikat, wollte auch ich jedes Zimmer individuell gestalten – und das 29 Mal. Worauf ich dabei geachtet habe, gebe ich gerne weiter.

Hotel Inspiration, Bild: Günter Standl

Hotel Inspiration, Bild: Günter Standl

Farbkonzept

Ein gut durchdachtes Farbkonzept ist die Grundlage für jede gelungene Einrichtung. Farben sind visualisierte Gefühle. Es gibt Farben, die raumfüllend, anregend, gemütlich sind und Nähe und Ansprache vermitteln. Diese warmen Farben werden gerne in Räumen eingesetzt, die dem geselligen Beisammensein dienen. Kalte Farben dagegen wirken raumweitend, beruhigend, sachlich und geben ein Gefühl des „Sich-treiben-Lassens“. In einem Hotelzimmer, in dem der Gast sowohl arbeitet, sich erholt und auch schläft,  ist es nicht so einfach, wie in den eigenen vier Wänden, in denen verschiedene Räume für unterschiedliche Tätigkeiten zur Verfügung stehen.

Geographische Lage

Anhand der jeweiligen geographischen Lage des Zimmers, macht es daher Sinn, unterschiedliche Farben zu wählen. Zimmer, deren Fenster in Richtung Süden liegen,  können kühle und gesättigte Töne vertragen, da die Sonne das Zimmer sehr hell durchflutet. Allerdings ist darauf zu achten, nicht zu dunkle Nuancen zu wählen. Wenn der Gast nämlich am Abend anreist, ist die Sonne nicht mehr im Süden. Nordzimmer dagegen, die wenig Sonnenlicht haben, sollten warme Farbtöne erhalten, genauso wie Ostzimmer, die abends auch keine Sonne mehr haben. Im Westen darf es wieder kühler sein, denn die Abendsonne tränkt das Zimmer in ein warmes Licht.

Mit diesen Grundgedanken steht einer Einteilung der Räume nach Frühlings-, Sommer-, Herbst- und Winterfarben nichts mehr im Weg. Grundsätzlich gilt: In jeder Jahreszeit ist jede Farbe vertreten, doch sie hat ihre jeweils charakteristische Anmutung. Das heißt, warme Frühlings- und Herbsttöne können miteinander kombiniert werden, genauso wie kalte Sommer- und Winterfarben, ohne dass eine unharmonische Spannung entsteht.

Farbgebung

Durch die Farbgebung wird im jeweiligen Raum eine ganz bestimmte Stimmung geschaffen:

  • Monochrom: Eine dominante Farbe
  • Komplementär: Die beiden Farben, die sich im Farbkreis gegenüber liegen (Blau-Orange, Rot-Grün, Violett-Gelb)
  • Zweiklang: Zweiersprung im Farbkreis (Rot-Gelb, Orange-Grün, Gelb-Blau, Grün-Violett, Blau-Rot, Violett-Orange)
  • Dreiklang: Drei Farben bringen Spannung. Das ist nur in einem großen Raum machbar.
  • Neutral: Beige- und Brauntöne
  • Analog: Farben, die im Farbkreis nebeneinander liegen (Rot-Orange, Orange-Gelb, Gelb-Grün, Grün-Blau, Blau-Violett, Violett-Rot); Die Farben fließen ineinander und brauchen eine Begrenzung durch Formen.

Farben sind nur der Anfang… Wie es mit Formen, Materialien, Muster, Möbel und Accessoires weitergeht und wie damit verschiedene Stile ausgedrückt werden können, erfahren Sie im Teil 2 der Wohnberatung im Hotel.


Autorin: Glaudia Chestnut

Glaudia Chestnut ist Wohn- und Typberaterin und leitet das "Hotel Inspiration" im bayrischen Tittmoning.



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