Wohnberatung: So fühlen sich Ihre Gäste wohl

Gastfreundschaft ist für viele Menschen ein hoher Wert, der das Leben bereichert und dessen Wichtigkeit sich ebenfalls in der Gestaltung einer Wohnung oder eines Hauses ausdrückt. Wie ist das in Ihrer Wohnung? Gibt es in Ihrer Garderobe immer einen freien Haken für die Mäntel der Gäste? Haben Sie irgendwo einen großen Tisch, um den herum sich eine fröhliche Runde gut versammeln kann?

Gästewohnzimmer oder Heimkino?

Und Ihr Wohnzimmer? Ist es auf den Fernseher hin ausgerichtet, so dass schnell klar wird: Dies ist ein Heimkino, hier wird nicht miteinander geredet, sondern geschaut? Gibt es gar ein Gästezimmer?

Wo finden die Übernachtungsgäste ihren Platz?

Sicher, nicht jede Wohnung bietet so viel Platz, dass Gästen gleich ein ganzes Zimmer zur Verfügung gestellt werden kann. Aber Raum ist in der kleinsten Hütte – und auch auf einem Sofa im Wohnzimmer können Übernachtungsgäste Platz finden. Umso wichtiger, dass diese Schlafgelegenheit so gewählt wird, dass es sich bequem auf ihr schlafen lässt und die Gäste keine Rückenschmerzen bekommen – das geht in der Regel besser auf Sofas, die längs ausgezogen werden können als auf solchen, die in der Mitte geklappt werden.

Falls Sie tatsächlich ein Gästezimmer haben: Achten Sie darauf, dass es gemütlich und einladend wirkt und nicht wie eine Abstellkammer aussieht, in der die Familie alles das hinein räumt, wofür sich sonst kein richtiger Platz findet.

Die Gäste-Abstellkammer wirkt wenig einladend

Eine solche „Gäste-Abstellkammer“ fand ich einmal bei einer Wohnberatung vor. Es war kein großes Zimmer – und dennoch hatte die Familie dort alles untergebracht, was ihr sonst irgendwie im Weg zu sein schien: Bügelbrett, eine komplette Büroausstattung, ausrangiertes Kinderspielzeug, Winterklamotten, Bettzeug, alles ohne Ordnung und Struktur. Das Gästebett, ein ausziehbares Sofa, verschwand fast darunter. Einladend wirkte dieses Zimmer ganz und gar nicht.

Gemeinsam entwickelten wir dann die Lösung: In dem Gästezimmer wurde ein großer, raumhoher Einbauschrank installiert, in dem alles verstaut werden konnte – vom Bügelbrett über das Kinderspielzeug bis hin zum „Büro“ mit ausziehbarer Schreibtischplatte. Nun wirkte das Zimmer einladend, freundlich und überraschend geräumig. Sogar ein kleines Tischchen mit einem Sessel daneben fand noch Platz, und als Gast hätte ich mich dort sicher sehr wohlgefühlt.

Wenn es gar nicht besser geht, lieber ins Hotel

Wenn sich eine solche Lösung nicht sinnvoll umsetzen lässt und Sie auch nur zweimal im Jahr Besuch von Übernachtungsgästen haben, ist vielleicht eine Ferienwohnung oder ein Hotelzimmer in der Nähe die bessere Wahl.

In Sachen Gastfreundschaft erinnere ich mich aber auch noch an eine Wohnberatung, die ich bei einer Familie in einem umgebauten Bauernhaus machte. An dieser Familie beeindruckt mich vor allem, dass allen Familienmitgliedern, selbst den Kindern, eines am allerwichtigsten war: im Zentrum des Hauses, im schönsten, größten, hellsten Raum, sollte der große Holztisch seinen Platz finden.

Der Esszimmertisch als Oase für Gäste

Dieser Tisch war etwas ganz Besonderes: fast drei Meter lang, ein historisches Erbstück aus wunderschön gealtertem Eichenholz, mit leicht geschwungenen Beinen und einer massiven, vom jahrelangen Gebrauch gezeichneten Tischplatte, die sicherlich einige Geschichten erzählen könnte. An diesem Tisch hatten mindestens 12 Menschen Platz, und genau so viele Gäste der Familie fanden sich oft und gerne an ihm ein.

Mich hat sehr bewegt, wie diese Familie ihre Gastfreundschaft mit Leben füllte – und welchen Raum sie ihren Gästen zugestand, in ihrer Wohnung und damit auch in ihrem Leben. Sie teilten ihr Leben mit ihren Gästen – weil sie wussten, dass es mit dem Leben ein bisschen so ist wie mit der Freude: geteiltes Leben ist doppeltes Leben.




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