Warum Ihr Tag keine 25 Stunden hat

Kennen Sie das auch? Sie haben schon wieder eine riesige Liste an Aufgaben, schleppen Sie schon eine gefühlte Ewigkeit vor sich her, bemühen sich tapfer, dass die Anzahl der Punkte kleiner wird, doch stattdessen wird die Liste immer länger? Sie wünschen sich zum hundertsten Mal, Ihr Tag hätte wenigsten eine Stunde mehr, um Ihren unzähligen Aufgaben wenigsten nach und nach Herr zu werden? Heute werden Sie erfahren, wie Sie mit ein paar wichtigen Regeln für gutes Zeitmanagement, aber vor allem einer neuen Haltung aus Ihrem Hamsterrad aussteigen können, damit Sie in Zukunft nicht nur Ihre To-Do-Liste bändigen, sondern auch wieder etwas entspannter Ihren Alltag meistern können.

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Es allen anderen immer recht machen wollen

Beim Terminfinden mit ihr wurde mir schon deutlich – Frau Abel hatte eigentlich keine Zeit, dafür aber eine gehörige Portion Stress. Mehrere Versuche wurden gestartet, bis wir einen Tag für ihre Beratung festlegen konnte, einmal musste er danach sogar noch verschoben werden.

Am Anfang unseres Gesprächs wirkte Frau Abel ziemlich nervös und auf meine Frage, was sie beschäftigte, gestand sie mir, dass sie direkt anschließend noch einen wichtigen beruflichen Termin liegen hätte – obwohl Samstag war. Dieser Termin wäre eigentlich auch erst für nächste Woche vorgesehen gewesen, aber der Bürgermeister habe nicht locker gelassen, und so hätte sie zugesagt, obwohl sie auch noch einiges bis Montag für das neue Projekt in der Kindertagesstätte vorzubereiten hätte.

Natürlich bestimmte dieses Thema dann erst einmal unser Gespräch. Frau Abel bemerkte irgendwann, ihr Tag müsse eben einfach mehr Stunden haben, dann bekäme sie vielleicht auch all die Aufgaben bewältigt, die da täglich auf sie warteten. Ich merkte ihr an, wie sehr sie unter dieser Situation und den täglichen Herausforderungen litt und sich vor allem selbst unter großen Druck setzte.

Die Situation war auch alles andere als einfach und doch stellte ich fest, dass es Frau Abel wie vielen anderen berufstätigen Müttern erging. Sie versuchen es allen recht zu machen – im Beruf, zu Hause, selbst in der Freizeit, ungeachtet ihrer Mehrfachbelastung. Die Anforderungen, die an sie gestellt werden sind zum Teil auch immens. Zudem sehen sie überall den Bedarf, möchten helfen und das oft auf Kosten ihrer eigenen Ressourcen.

Verändern Sie Ihren Fokus

Um in Zukunft mit den eigenen Ressourcen besser umgehen zu können, sind ein gutes Zeitmanagement und eine wertschätzende Haltung sich selbst gegenüber notwendig. Dazu gehören:

  • klare Ziele festlegen – nur wenn Sie wissen, wo Sie wirklich hin wollen, werden Sie Ihre Ziele auch erreichen.
  • Prioritäten setzen – lassen Sie sich nicht von Nebensächlichkeiten ablenken, konzentrieren Sie sich tatsächlich auf das Wichtigste.
  • eine passende Struktur entwickeln – trotz oder gerade wegen der vielen Aufgaben: beginnen Sie morgens mit einem ruhigen Moment, kommen Sie bei sich an und schauen Sie auf Ihre Planung für den Tag. Legen Sie dann beim Planen Zeitblöcke zwischen Ihren fixen Terminen fest. Sind Aufgaben für die Blöcke zu klein, unterteilen Sie sie in mehrere kleinere. Und dann halten Sie die Zeiten ein und bleiben konzentriert dran.
  • sich selbst richtig einschätzen – respektieren Sie Ihr eigenes Tempo, beachten Sie nach Möglichkeiten Ihren Biorhythmus, planen Sie Zeit für Unvorhergesehenes ein.
  • sich Unterstützung holen – drehen Sie den Spieß doch einfach mal um. Ihr Umfeld hilft Ihnen sicherlich gerne, Sie haben es doch oft genug vorgemacht.
  • unperfekt sein – seien Sie da, wo es geht, mit einem „Gut“ zufrieden, die letzten paar Meter zum „Perfekt“ kosten Sie übermäßig viel Energie und sind in den meisten Fällen total unnötig. Denken Sie daran, es kostet in erster Linie Ihre Energie.
  • last but not least: höflich, aber bestimmt Nein sagen üben – nehmen Sie sich, Ihre Zeit und Ihre Planung wichtig, dann tun das andere in Zukunft auch. Machen Sie sich etwas rarer und man wird Sie und Ihre wertvolle Zeit mehr schätzen und respektieren, statt sie wie bisher als selbstverständlich zu nehmen.

Mit unserer Zeit ist es wie mit unserer Wohnung

Je mehr Raum wir vermeintlich zur Verfügung haben, desto mehr versuchen wir hineinzupacken. Aber fühlen wir uns nicht auch in einer übersichtlichen und aufgeräumten Wohnung wesentlich wohler und kommen dort mehr zur Ruhe? Auch eine geschmackvoll ausgewählte Einrichtung gehört dazu. Und genau so ist es mit diesen schönen Momenten, in denen wir bei uns ankommen, uns wieder spüren und von denen wir oft als wertvolle Erinnerungen lange zehren.

Natürlich können wir auch immer mehr Mobiliar in unsere Wohnung stellen und noch mehr Leute bei uns wohnen lassen, aber irgendwann werden wir merken, dass wir uns dort nicht mehr wohlfühlen und es nicht mehr wirklich unser zu Hause ist.

Ihr Tag hat keine 25 Stunden, weil es um einen respektvollen Umgang mit der Ihnen zur Verfügung gestellten Zeit geht und damit um einen wertschätzenden Umgang mit sich selbst.

Das hatte Frau Abel begriffen und beim Verabschieden meinte sie dann, dass 24 Stunden ja nicht nur eine realistische, sondern doch auch eine sehr gesunde Sichtweise wären.


Autorin: Bettina Hertzler

Bettina Hertzler ist langjährige Typ- und Imageberaterin und seit 2014 Personal-Image-Coach. Sie berät Privatpersonen, Mitarbeiter von Verwaltung und Unternehmen, Selbständige, sowie Politiker in Stilfragen und Persönlichkeitsentwicklung.
Ihr Motto: Zeige, was in dir steckt!

www.bettina-hertzler.de



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