Unterschiedliche Wohnansprüche – aber eine Familie

„Mir gefällt die blaue am besten.“ sagt Jonas. „Nein, ich will lieber eine pinke Couch!“ erwidert Lotta. „Dann nehmen wir doch einen neutralen Farbton und jeder kann ein Kissen in seiner Lieblingsfarbe haben.“ schlägt der Papa vor. „Aber, das ist doch langweilig! Die Wand ist eh schon in so einem komischen Beige. Da hätte ich lieber…“ Tja, so wie jeder Mensch anders ist, so unterscheiden sich auch die Vorlieben und Geschmäcker. Da ist es gar nicht so einfach, jedem Familienmitglied gerecht zu werden. Als Wohnberaterin muss ich in solchen Situationen diese unterschiedlichen Wohnansprüche einer Familie, die andersartigen, oft gegensätzlichen Vorstellungen und Anschauungen jedes einzelnen unter einen Hut bringen. Jeder soll sich nämlich in den eigenen vier Wänden wohl und sicher fühlen. Wie kann dies aber funktionieren, gerade dann, wenn aus Kindern Jugendliche, aus Jugendlichen junge Erwachsene werden?

Familie

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Farb- und Stilkonzept für jedes Familienmitglied

Unabhängig vom Raum, der neu gestaltet werden soll, ist es daher wichtig, für jedes Familienmitglied ein Farb- und Stilkonzept zu entwickeln. Hierbei ist die „TYP Living-Box“ ein großartiges Hilfsmittel, um herauszufinden, was der jeweiligen Person gefällt. Die oftmals unterschiedlichen Farb- und Stilvorlieben müssen dann zu einem einheitlichen und harmonischen Gesamtbild zusammengefügt werden. Sind vielleicht manche Farbtöne identisch? Findet sich Kongruenz in Formen, Linien, Mustern? Erst dann kann ich mit dem erarbeiteten Konzept in das jeweilige Zimmer gehen und Gestaltungsvorschläge machen.

Funktion des Raumes

Die Frage ist nun, um welchen Raum es sich handelt. Soll ein Wohnbereich neu gestaltet werden, der von allen Mitgliedern der Familie genutzt wird? Oder ist es ein Schlafzimmer, in dem sich überwiegend nur eine Person aufhält? Selbstverständlich wird sich ein Kind oder Teenager das eigene Zimmer in den Farben und Formen gestalten dürfen, die es selber am liebsten mag. Im Wohnzimmer sieht die Sache aber ein bisschen anders aus. Zweifelsohne müssen für diesen allgemeinen Wohnbereich Kompromisse eingegangen werden, denn möglich ist, dass Familienmitglieder die Funktion des Raumes different sehen, den Raum unterschiedlich nutzen wollen. Der eine möchte vielleicht entspannen und Ruhe finden, was mit kühlen Farbtönen erleichtert wird. Der andere will aktiv sein und Spaß haben, wozu warme Farben hilfreich sind. Kommunikation ist das A und O, um in so einem Fall auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Der Ansatz von dem Papa im fiktiven Gespräch ist schon eine gute Idee. Allerdings muss darauf geachtet werden, dass die Sache nicht zu bunt wird und die Farben auch von der Intensität her miteinander harmonieren.

Brücken schaffen

Wenn ich mit unterschiedlichen Stilen arbeiten und diese in einem Raum zusammenbringen muss, kann ich das erreichen, indem ich über Farben, Formen und Materialien Brücken schaffen. Solche Stilbrüche können sehr spannend und ansprechend sein. Wenn eine Couch also blaue und pinke Kissen haben soll, sind diese Farben z. B. auch in Vorhängen, Teppich, Tischdecke oder diversen Accessoires zu wiederholen. Somit fällt eine etwas andere Farbe nicht aus der Reihe, sondern wird integriert und der Raum wirkt harmonischer, durchdachter. Möglich ist es auch, bestimmte Themenbereiche oder „Wohlfühlinseln“ zu kreieren. Wichtig ist hierbei allerdings, dass der Raum groß genug ist. Und es sollte nicht mehr als ein Möbelstück „aus der Reihe tanzen“, sonst wirkt alles wie zusammengewürfelt und konfus. Je mehr Charakter ein Teil hat, desto mehr Platz braucht es. Jeder Mensch braucht Raum: Raum zum Sein, zum Leben, zum Atmen, zum Träumen, zum Ruhen, zum Wachsen. Am besten funktioniert dies, wenn man sich wohlfühlt in seiner „dritten Haut“, dem eigenen Zuhause.


Glaudia Chestnut

ist Wohn- und Typberaterin und leitet das "Hotel Inspiration" im bayrischen Tittmoning.



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