Braucht man(n) wirklich eine Krawatte?

Diese Frage beantwortet heute Brigitte Grotz: Bei Firmenseminaren oder Einzelcoachings treffe ich als Image Consultant immer wieder auf absolute Krawattengegner, Krawattenliebhaber und Kunden, die völlig unreflektiert zu diesem Kleidungsstück greifen. Diese unterschiedlichen Sichtweisen haben mich bewogen mir einmal intensiver Gedanken zu diesem Thema zu machen.

Bei meiner Recherche bin ich auf die unglaublichsten Statements gestoßen, zum Teil sehr informativ und spannend, andererseits skurril und fragwürdig: Ich fand zum Beispiel eine Abhandlung über „Die Kunst, den Mann hinter der Krawatte zu erkennen.“ Danach lässt sich an der Wahl der Krawatte erkennen, ob ich es mit einem selbstbewussten, schüchternen, bürokratischen oder künstlerischen Mann zu tun habe.

Geben Sie ein individuelles Statement ab

Für mich ist die Krawatte in erster Linie ein Accessoire, dass es dem Träger ermöglicht, trotz der „Anzuguniformierung“ ein individuelles, persönliches Statement abzugeben. Natürlich ist das auch durch die Wahl unterschiedlicher Anzug- und Hemdenstoffe möglich, durch individuelle Schnittformen und Muster. Aber keine dieser Möglichkeiten ist so augenscheinlich und hervorstechend wie die Wahl der Krawatte. Sie ist für den Mann das Instrument seinen persönlichen Stil zu prägen und Farbe zu bekennen.

Häufig hängt das negative Gefühl, das eine Krawatte angeblich vermittelt, auch nicht am Langbinder selbst, sondern an der falsch ausgewählten Hemdkragenweite und -form. Der Hemdkragen sollte immer einen Finger breit Luft lassen und unterschiedliche Kragenhöhen passen sich optimal unterschiedlichen Halslängen an, sodass die Krawatte nicht zwangsläufig zur einengenden Zwangsjacke wird.

So gelingt Ihr Auftritt

Passen Sie Ihre Krawattenstoffe, die Breiten und auch die Muster Ihrem individuellen Stil an und Sie werden feststellen, wie gelungen Ihr Auftreten wird. Auch die Auswahl des passenden Knotens ist von großer Bedeutung: Zu einem Haifischhemdkragen, der sehr viel Platz lässt, sieht eine einfacher Four-in-hand-Knoten nicht unbedingt vorteilhaft aus. Dagegen wird ein kleinflächiges Gesicht von einem doppelten Windsor-Knoten fast erschlagen. Zusammenfassend möchte ich alle Männer ermutigen, die Krawatte wieder für sich zu entdecken.

Es ist Ihr Instrument, ein Zeichen zu setzen und Ihren individuellen Eindruck positiv zu gestalten – kein Folterinstrument, das man dem Dresscode geschuldet zwangsläufig in Kauf nehmen muss. Mit dieser Einstellung wird es dann auch im Hochsommer erträglicher, eine Krawatte zu tragen, denn sie ist im formellen Businessbereich eben genauso unumgänglich wie das Langarmhemd.

 




Kommentare

Rosel Haas says

Ich kann mich Ihren Ausführungen nur voll und ganz anschließen, liebe Frau Grotz. Genau das gebe ich in meinen Beratungen weiter.

Liebe Grüße
Rosel Haas