Knigge: Mut zur Achtsamkeit

Abendbrotzeit bei einer deutschen Familie. Die neunjährige Rebekka präsentiert ihrem Vater stolz ihr frisch erworbenes „Freischwimmer“-Abzeichen. Der Angesprochene murmelt hinter der Zeitung ein kurzes „Hm“ und setzt die Lektüre fort.

Sicher haben Sie auch schon ähnliche Situationen erlebt. Schon von Kindheit an prägen diese kleinen „Nadelstiche“ unser Selbstwertgefühl. Der achtlose Blick des Lehrers, der missachtende Ton der Mutter, die teilnahmslose Art des Lehrherrn … Ich bin mir sicher: Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Meine These: Was im Privatleben mitunter nicht so stark auffällt, wird im Businessbereich zum Risikofaktor:

  • Das mangelnde Interesse des Verkäufers im Elektro-Supermarkt …
  • Der fehlende Anruf der Putzfrau, die einfach nicht erscheint …
  • Die zugesicherten Unterlagen, die dann doch nicht kommen …

Ich glaube, dass diese Formen der Missachtung ein Risiko für jede Geschäftsbeziehung sind und häufig der entscheidende „Killerfaktor“, der ihnen ein schnelles Ende bereitet.

Pass auf dich und andere auf….

Sprachhistoriker führen das altertümliche Wort „Acht“ (Aufmerksamkeit, Beachtung, Fürsorge) auf eine indogermanische Wurzel zurück, die die Bedeutung „nachdenken“ und „überlegen“ hatte. „Gib acht!“ heißt: Sei vorsichtig, denke nach, bevor du etwas tust, und pass auf dich und andere auf.

Den grundlegenden Wert eines Menschen anzuerkennen, ist für mich Voraussetzung für ein achtungsvolles Verhalten. Verächtlich äußert sich jemand, der dem anderen seinen Wert abspricht, ihn gering schätzt. Wer diese Wert-Überzeugung nicht in sich trägt, kann sich dennoch höflich verhalten. Seine Achtsamkeit bleibt aber leere Etikette, antrainierbar, aber nicht „herzensecht“.

Ohne Benimm keine Karriere

Ich habe leider den Eindruck, dass im Businessbereich die seelenlose Etikette häufig an der Tagesordnung ist, denn ohne Benimm keine Karriere. Ohne Charakter dahinter leider schon.

Offene Ohren, ein verständnisvolles Zunicken, eine kurze Handreichung … meist sind es die kleinen Dinge, die Achtung und Verständnis signalisieren. Bei unangenehmen und unbequemen Zeitgenossen kann dies eine besondere Herausforderung sein.

Welche Erfahrungen machen Sie…?




Kommentare

Heike Schupp says

Da kann ich nur zustimmen! Aber jeder ist ständig dafür verantwortlich auf sich zu achten. Für mich ist das eine tägliche Herausforderung die leider nicht immer klappt. Wie oft sind wir abgelenkt weil wir einfach so viele Dinge im Kopf haben oder einfach so viele Dinge auf einmal erledigen (Handy, Mails, lesen, Fernsehen, essen, reden, zuhören.... alles gleichzeitig!?)
Schöne neue Mediale Welt! Vielen Dank für den Artikel
Liebe Grüße Heike Schupp

Anja Aghte says

Toller Beitrag! Mein Eindruck ist, dass man zwischenzeitlich schon in vielen Kreisen positiv auffällt, wenn man den anderen wieder "Beachtet" - also zuhört und ihn während des Gesprächs wirklich richtig wahrnimmt.