Friedrich von Baumbach verschafft Tradition ein neues Gesicht

Zahlreiche Generationen erschaffen Geschichte

„Es ist unwahrscheinlich, wie viel Geschichte in diesem Gutshof steckt“, erzählt Friedrich von Baumbach, während er aus dem Küchenfenster des Herrenhauses blickt. Der leicht erhöhte Standpunkt ermöglicht die Sicht auf das Uhrenhaus, die Stallungen und ein großes, schönes Fachwerkhaus, das in den letzten Jahren zum Wohnhaus umgebaut wurde. Er dreht sich um und nimmt wieder auf einem der schön geschnitzten Stühle am Esstisch Platz. Friedrich von Baumbach strahlt Gelassenheit aus. Immer wieder grinst er bis über beide Ohren, wenn er vom Gutshof in Großropperhausen spricht. Er kennt seine Geschichte und er kennt die Tradition, die diesen Ort ausmacht.

„Meine Familie ist Mitglied der althessischen Ritterschaft. Das geht schon eine ganze Weile zurück, um etwa 1200 wird es das erste Mal erwähnt. 1699 ist ein Vorfahr erstmals nach Großropperhausen gekommen, hat den Gutshof gekauft und angefangen, ihn wieder herzurichten.“ Nach und nach entstanden so ein Eiskeller, ein Gewölbekeller und die Grundlagen für das Fachwerkhaus, das erst 1850 in die heutige Form gebracht wurde. „Der Hof selbst ist in Hessen einer der größten“, erzählt der gebürtige Marburger. „Der große Park hier um uns herum wurde später angelegt. Von Henze, einem Gartenarchitekten, der auch in Kassel-Wilhelmshöhe gewirkt hat. Das Wohnhaus wurde erst viel später gebaut.“

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Familie von Baumbach

Was soll mit dem Gutshof geschehen?

Und tatsächlich ist klar erkennbar, wie viel Zeit und Mühe in die Grünflächen rund um den Gutshof investiert wurde. Weite grüne Rasenflächen und hinter dem Uhrenhaus ein Teich. Idyllisch ist es hier. Eine ganz eigene, ruhige Atmosphäre, trotz der Bauarbeiten, die immer noch im Gange sind. „Die Idee, den Gutshof wieder komplett nutzbar zu machen, gab es schon 2007. Seitdem ist viel passiert. Durch eine Familienstiftung hatten wir die Möglichkeit, die Gebäude zu restaurieren und für die künftige Nutzung umzubauen.“ Bereits sechs Jahre dauert der Umbau, schon bald soll er abgeschlossen werden. Doch die Frage, was in die großzügigen Räumlichkeiten kommen sollte, war lange offen.

„Wir hatten zwar einige Ideen und Konzepte, doch ich hatte nie Frieden darüber. Mit einem Ort wie diesem, mit solch einer reichen Tradition, muss man sehr behutsam umgehen. Mir ist es wichtig, dass dieser Geist hier gewahrt wird“, erzählt Friedrich von Baumbach. Kurzzeitige Überlegungen, ein Altenheim oder eine Arztpraxis zu bauen, zerschlugen sich schnell. „Ich habe die Ärztekammer angerufen, um mich darüber zu informieren, ob es potenzielle Ärzte für die Praxis gebe. Doch ich bekam keine Auskunft, da ich selbst kein Arzt bin.“

Schon bald öffnet die Gutshof Akademie ihre Pforten

Als Friedrich von Baumbach Rainer und Ilona Wälde kennenlernt, ist schnell klar, dass die Visionen beider Seiten gut zueinander passen. Die TYP Akademie, die nun ihre Seminare in diesem wunderschönen Gutshof in Großropperhausen anbieten kann, passt optimal in die Vorstellungen des Gutshofbesitzers. „Ich freue mich darauf, dass hier bald mehr Leben istda ich glaube, dass dieser Ort mit Respekt und Sorgfalt behandelt wird“, meint Friedrich von Baumbach. Für ihn spielt es eine große Rolle, dass es dem Dorf und den Bewohnern gut geht. Gerade für Zugezogene hat er ein Herz.

„Diese Gegend wurde maßgeblich von Kriegsflüchtlingen mitgeprägt, die meist aus Ostpreußen und dem Sudetenland stammten. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden viele Arbeit auf dem Hof und später im nahegelegenen Steinbruch. Die Flüchtlinge haben sich prima integriert und vor allem durch ihren unermüdlichen Fleiß auch Großropperhausen nach vorne gebracht. Ein gutes Beispiel für gelungene Integration“, erzählt Friedrich von Baumbach begeistert. Auch der Halbbruder seines Vaters floh als Fernmeldeoffizier mit seiner Einheit von Holland, als die Alliierten näher kamen. „Unterwegs kamen sie durch ein holländisches Dorf, während alle Bewohner im Gottesdienst waren. Kurzerhand klaute die gesamte Einheit die vor der Kirche stehenden Räder und fuhr weiter Richtung Heimat“, lacht Friedrich von Baumbach. Später sollten viele aus der Einheit vorübergehend Arbeit auf dem Hof und ein Dach über dem Kopf finden.

Die Familie investiert in den Ackerbau

Sein Vater schaffte nach der Übernahme des Betriebes eine große Schafherde an. „Leider brannte kurz darauf ein Teil des Hofes ab, weil ein Junge aus dem Dorf mit Streichhölzern gespielt hatte. Dabei sind mehrere Hundert Schafe verbrannt.“ Doch die Versicherung zahlt fair und so entschließt sich Friedrich von Baumbachs Vater dazu, das Geld lieber in die bestehenden Gebäude zu investieren und diese neu zu überdachen, statt die abgebrannten Stallungen wieder neu aufzubauen. Eine sehr kluge Entscheidung, durch die die heutige Gebäudesubstanz überhaupt erhalten werden konnte. Bis heute ist die durch den Brand entstandene Lücke im Hof zu erkennen. Friedrich von Baumbach zeigt auf die Stelle, die den Blick aufs Dorf frei gibt. „Die werden wir bald wieder schließen. Eine Art Verlängerung des Uhrenhauses“, verrät er. Für Tiere ist der Hof längst nicht mehr gedacht.

„Anfang der 70er Jahre entschloss sich mein Vater, nicht mehr auf Vieh, sondern auf den Ackerbau zu setzen. Bis zur Aufgabe und Verpachtung der Landwirtschaft hat er Weizen, Hafer, Gerste und Raps angebaut.“ Für Friedrich von Baumbach ist das ein dankbares Verhältnis. „Ich habe noch 250 Hektar Wald. Den bewirtschafte ich selbst und habe natürlich auch das Jagdrecht auf diesen Ländereien.“

Gutshof von Baumbach in Großropperhausen

Das Wohnhaus von Friedrich von Baumbach

Ein Problem für die Landwirtschaft: Wildschweine

Fritz von Baumbach, wie ihn seine Freunde nennen, studierte Forstwissenschaft in Göttingen. Sein zweites Staatsexamen absolvierte er in Hessen. Nach seinem Referendariat stellte sich die Frage, wer den Gutshof und die damit verbundene Verantwortung von seinem Vater übernehmen würde. „Ich habe einen jüngeren Bruder, der Rechtsanwalt ist. Unser Werdegang war sehr verschieden und so hat es einfach gepasst. Mein Bruder hat auf seine Ansprüche am Besitz verzichtet, sonst hätten wir diesen zerschlagen müssen.“ Friedrich von Baumbach ist hier ganz offensichtlich in seinem Element. Er hält kurz inne, nimmt einen Schluck aus seiner Tasse, bevor er fortfährt.

„Die Jagd ist natürlich auch ein großer Bestandteil in dieser Gegend. Für die Wildbestandsregulierung ist es wichtig, jagen zu gehen. Dafür gibt es natürlich Vorgaben.“ Ob es von einer Tierart bereits zu viele gibt? „Tatsächlich sind die Wildschweine momentan ein großes Problem“, erzählt Friedrich von Baumbach. „Da geschehen enorme Schäden für die Landwirtschaft.“ Die Tiere scheinen sich in den hiesigen Gefilden sehr wohlzufühlen und von der regelmäßigen Fruktifizierung der Waldbäume zu profitieren. Natürlich suchen die Wildschweine auch auf den Ackerflächen nach Nahrung – und dies bringt den Jägern nicht nur die Freude an der Jagd, sondern kostet auch viel Geld und Zeit.

Friedrich von Baumbach investiert in langfristige Projekte

Man merkt, für wie wertvoll Friedrich von Baumbach den Gutshof und das damit verbundene historische Erbe hält. Immer wieder betont er, wie wichtig es ihm ist, langfristige Entscheidungen zu treffen, wovon er, aber auch das Dorf, langfristig Nutzen haben.. Ein Ziel, für das er auch Opfer bringt. „Meine Frau arbeitet und lebt in Straßburg mit unserem Sohn. An den Wochenenden fahre ich die beiden besuchen. Nächste Woche kommt mein Sohn hier her, meine Frau reist nach. Darauf freue ich mich natürlich sehr.“ Es scheint ein Kompromiss zu sein, mit dem beide gut leben können.

Die Küche des Herrenhauses ist verziert mit kleinen Frankreich-Flaggen. An den Wänden hängen schöne Bilder, die Laurence von Baumbach während ihres Aufenthalts auf dem Gutshof gemalt hat. „Für meine Frau ist das Entspannung. Die Idylle hier ist ein starker Kontrast zum Stadtleben“, erklärt Friedrich von Baumbach. Am Kühlschrank sind Kinderzeichnungen mit Magneten befestigt.

„Ein gelackter Hof ist leblos“

Für Herrn von Baumbach steht ein großer Umbruch bevor. In den kommenden Jahren wird es auf dem Gutshof um einiges lebendiger zugehen, als er es bislang gewohnt ist. Die Seele des Gutshofs aber wird bestehen bleiben: „Es geht nicht darum, hier alles komplett neu zu lackieren, sondern das Bestehende aufzuwerten. Ein gelackter Hof ist leblos. Der hat keine Geschichte.“ Für das Dorf hat die neue Nutzung des Gutshofs hoffentlich auch nur Vorteile.

„Der Hof wird schön hergerichtet, die Gutshof Akademie wird neue Arbeitsplätze schaffen. All das wird Großropperhausen auf gute Weise weiter bringen“, meint Friedrich von Baumbach zufrieden. Sein Wunsch, den Gutshof einmal mit gutem Gewissen an die nächste Generation weiterreichen zu können, geht damit in Erfüllung. „Der Besitz, so wie er hier ist, soll weitergegeben werden. Das Ziel ist nicht, das zu verkaufen oder zu zerschlagen. Ich will nichts versilbern lassen – das Gegenteil ist der Fall.“ Dieser langfristige und nachhaltige Gedanke ist es, was den Gutshof ausmacht. Und er ist es, der dem Dorf noch in den nächsten Jahrzehnten dienen wird.

 

Entdecken Sie die Gutshof Akademie: www.gutshof-akademie.de


Autor: Micha Kunze

Micha Kunze hat Angewandte Medien studiert und absolviert sein Volontariat bei Rainer Wälde media. Nebenberuflich arbeitet er als Redakteur und ist im Vorstand des Filmvereins
just be creative e. V. tätig.



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