Esther Weber ermutigt mit ihrer Fackel bei den Paralympics in London

Esther Weber

Esther Weber

20 Jahre nach ihrer Goldmedaille in Barcelona erlebt Esther Weber in dieser Woche wieder einen bewegenden Moment: Bei den Paralympics 2012 in London wird sie die Fackel tragen und damit erneut vielen Menschen Mut machen, ihre persönliche Begabung zu leben.

In diesem Jahr bin ich Esther Weber bereits zweifach begegnet. Im Frühling war sie zu Besuch in der TYP Akademie Limburg, um den Deutschen Knigge Rat bei seinem Jahresthema „Umgang mit Handicap“ zu beraten. Daraufhin habe ich Sie zuhause im Elztal bei Freiburg besucht. Seit einem Autounfall mit 15 Jahren ist sie querschnittsgelähmt und behauptet dennoch ganz selbstbewusst: „Ich bin nicht behindert, ich werde behindert. Ich benötige den Rollstuhl nur, um mobil zu sein.“

Dass Esther Weber mit einem Handicap lebt, fällt erst auf den zweiten Blick auf.

Souverän öffnet sie ihre Haustür und verströmt dabei soviel Herzlichkeit, dass sie mir alle Unsicherheit nimmt. Ihre Wohnung hat sie zweckmäßig eingerichtet, alles muss leicht erreichbar sein. Wir reden über ihr Studium zur Betriebswirtin, dass sie gerade erfolgreich abgeschlossen hat. Beim Tee kommen wir auf die Behinderungen in den Köpfen der Nichtbehinderten zu sprechen.

Viele können sich gar nicht vorstellen, wie groß die Sehnsucht von Esther Weber nach Normalität im Alltag ist: „Besonders anstrengend ist es, wenn Helfer sich aufdrängen und nicht zuhören.“ Deshalb empfiehlt sie, zuerst einmal die konkrete Frage zu stellen: „Darf ich Ihnen zur Hand gehen?“

Ich bin überrascht, wie unkompliziert Esther Weber ihren Alltag schildert, der für mich als Außenstehender sehr komplex erscheint. Sicherlich liegt es an ihrer Persönlichkeit und ihrer direkten Art, die mir persönlich Sicherheit gibt. Doch für Esther Weber geht es nicht um körperliche Hindernisse, sondern vor allem um Denkbarrieren, die es zu überwinden gilt.

Sie selbst hat es geschafft: Als Fechterin hat sie 10 Medaillen bei den paralympischen Spielen errungen und seit kurzem ihr Diplomabschluss. Nun steht sie in London erneut im Rampenlicht und ermutigt mit ihrer Fackel, die kleinen und großen Hindernisse des Lebens zu überwinden und der eigenen Berufung treu zu bleiben.




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