Jetzt entrümpeln, damit der Frühling kommen kann

Wie sehr sehne ich mich nach dem Frühling: Nach der wärmenden Sonne, dem zarten Grün in den Bäumen und den ersten Blüten der Blumen. Wann werden die hellen, von Lebensenergie nur so sprühenden Tage endlich kommen? Mir scheint, der Baum vor unserem Haus fühlt genauso. Die Knospen sind schon da und warten nur darauf, endlich auszuschlagen.

Der lange Winter hat mich vor einigen Tagen auf eine Idee gebracht. Draußen hat es schon wieder geschneit und ich habe mich spontan über die schöne Schneedecke und das winterlich Bild gefreut. Spontan dachte ich darüber nach, dass Schnee und Kälte auch eine gute Vorbereitung für die kommende Jahreszeit sind: Die Erde von dem altem Ballast und den Schädlingen gereinigt.

Zeit für meinen Kleiderschrank

Das war der Impuls, mich um meinen Kleiderschrank zu kümmern: Seit Wochen beschleichen mich komische Gefühle, wenn ich ihn öffne. Am Samstagnachmittag entschied ich, mich endlich ans Entrümpeln zu machen. Ich stellte mir, wie sich auch über meine Lebensbereiche eine weiße Schneedecke gelegt hat: Plötzlich sieht alles neu und unberührt aus und ich kann es ganz neu gestalten.

Mit diesem inneren Fokus holte ich Kleidungsstück um Kleidungsstück aus meinem Schrank und spürte nach, ob es zu dem neuen Bild gehört. Manche Teile habe ich auch angezogen und geprüft, ob sie noch passen und ein paar Teile mussten definitiv zum Schneider.

Das Kleid hatte ich im Urlaub gekauft

Ich fand es interessant, dass sich gleichzeitig auch so eine Art aufräumen und ordnen meines Selbstverständnisses und meiner sozialen Bezügen ereignete. Ein Kleid hatte ich im Urlaub gekauft und damit ein bestimmtes Bild verbunden. Deutlich spürte ich: Nein, dieses Bild passt nicht zu mir. Es wanderte in die Kleidersammlung. Auch andere Stücke kamen noch weg. Mir kamen Verhaltensweisen in den Sinn, die auch nicht zu mir gepasst haben. Eine Aufgabe, die ich seit längerem nur noch halbherzig mache, wurde mir bewusst und ich habe den Entschluss gefasst, diese abzugeben.

Andere Dinge habe ich mit neuer Gewissheit und Freude wieder an ihren Platz gehängt. Sie erinnern mich an sinnstiftende Arbeit, wertvolle Begegnungen und ein Gefühl von Stimmigkeit und Dank stieg in mir hoch. Drei Stücke vermisste ich und habe mir, deshalb vorgenommen, sie bei nächster Gelegenheit zu kaufen.

Mich durchströmte ein unglaubliches Glücksgefühl

Inzwischen war es Abend geworden der Schrank war neu einsortiert, die Kleider für den Schneider hingen an der Garderobe und die unnötig gewordenen Teile hatte ich für die Altkleider-Sammlung verpackt. In diesem Moment durchströmte mich ein unglaubliches Glücksgefühl: Es erinnerte mich an die Knospen. Alles ist bereit, jetzt kann der Frühling kommen. Anschließend machte ich einige Einträge in mein Notizbuch. Für mich war dies ein lehrreicher Nachmittag.

Dabei fiel mir die Aussage von Prof. Dr. Tobias Esch ein, über die wir im Seminar „Die Kraft der sozialen Identität“ diskutiert haben: Um gesund unser Leben zu entfalten, zieht es uns zu Orten, Menschen und Aufgaben hin, es gibt Bereiche da wollen wir bleiben und von andern wollen wir weg. Von Zeit zu Zeit lohnt es sich, zu sortieren und neu zu ordnen nicht nur im Kleiderschrank.




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