Bewerbung: So präsentieren Sie sich im digitalen Zeitalter

Sie wollen diesen Job – unbedingt. Das Bewerbungsgespräch läuft bislang gut. Dann werden Sie nach Ihren Stärken gefragt, aber auch nach Ihren Schwächen. Wer kennt das nicht. Hier will der Arbeitgeber genau wissen, wen er vor sich hat. Der Druck ist hoch, gut dazustehen. Schließlich gibt es den Traumberuf nicht wie Sand am Meer. Wie reagieren Sie? Wie schaffen Sie es, Ihre Stärken herauszustellen und die Schwächen für sich zu nutzen? Wie verkaufen Sie sich richtig?

Kennen Sie Ihr digitales Image?

Im digitalen Zeitalter genügt es aber längst nicht mehr, nur im direkten Kontakt mit anderen auf die Eigendarstellung zu achten. Auch im Internet findet Markenpflege statt. Viele Menschen machen sich zu wenig Gedanken über ihr digitales Image. Wer bin ich, wenn ich online bin? Welche Spuren hinterlasse ich?

Als Mentor begleite ich vier junge Männer, die zwischen 22 und 30 Jahre alt sind. Die Generation der „Digital Natives“ geht völlig selbstverständlich mit dem Internet um: Tim studiert Betriebswirtschaft und ist täglich bei Facebook unterwegs. Gemeinsam mit seiner Freundin fragt er sich, wie es nach dem Studium beruflich weitergeht. Doch sein “digitales Image” prägt er schon heute, mit jedem einzelnen Post, jedem Foto, das er ins Internet hochlädt. Seine digitalen Spuren – ob es politische Statements oder banale Partyfotos sind – werden eines Tages vielleicht entscheiden, ob er seinen Traum-Job erhält.

Was ist Personal Branding?

Selbst-Marketing – das klingt für viele nach der bewussten Inszenierung einer gar nicht vorhandenen Persönlichkeit, nach etwas, das zum täglichen zwielichtigen Geschäft von Imageexperten und PR-Strategen gehört. Deren Ziel: irgendwelchen Promis publicityträchtige Charaktereigenschaften anzuhängen, um ihnen ins Zentrum der medialen Aufmerksamkeit zu verhelfen. Ich möchte Ihnen versichern: Das verstehe ich definitiv nicht unter Personal Branding. Sicher, es geht um Markenbildung, es geht darum, sich selbst als starke Personenmarke in den Köpfen der Mitmenschen zu verankern, sichtbarer zu werden und mehr Erfolg zu haben – aber keinesfalls mit konstruierten Wesenszügen oder ausgedachten Marotten, sondern als echte, natürliche, authentische Person. Jeder Mensch ist ein Original und steht mit seinem Namen, mit seinem Leben für etwas: für ein Thema, für eine Botschaft, für eine Haltung. Und wenn er dieses Thema, diese Botschaft, diese Haltung ergründet und reflektiert hat und dann mit ihr nach außen geht, sie konsequent, konsistent und klar kommuniziert – dann ist das Personal Branding.

Als Original leben – wie ein Leuchtturm

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Fotos: shutterstock

Ein gutes Beispiel für eine starke Marke ist für mich die blaue Nivea-Dose: Seit Jahrzehnten steht sie für Hauptpflege zu einem günstigen Preis. Eine starke Marke vereinfacht das Leben, denn sie gibt Orientierung. Um es auf den Punkt zu bringen: Eine starke Marke ist wie ein Leuchtturm – und auch genauso wichtig. Sie sind Orientierungsmarken, denn wenn sie nicht funktionieren, sind die Menschen auf See verloren – sie dienen aber auch den Menschen an Land als Orientierungs- und Identifikationspunkt.

Die Analogie von Leuchtturm und Menschen, die – beispielsweise als Mitarbeiter und Selbständige – ein Original sind, ist für mich ein Bild, das ich schon seit vielen Jahren vor meinem inneren Auge habe: Auch Originale stehen ganz vorne in der Brandung, indem sie Verantwortung tragen für die Menschen, die auf See oder im Dorf hinter ihnen sind. Ihnen geben sie Orientierung. Wie ein Leuchtturm sind auch sie standfest und stabil – keine fahrbaren Sendemasten, die heute hier und morgen wieder dort aufgebaut werden. Wind und Wetter haben diese Originale gezeichnet, aber sie sind da. Unverrückbar. An dieser Stelle frage ich Sie: Leben Sie schon Ihre persönlichen Stärken aus? Sind Sie sich online wie offline Ihrer Verantwortung als „Leuchtturm“ bewusst?

Wiederkennungswert schaffen: Durch den eigenen Stil

Ein erfolgreich etabliertes Personal Branding, eine Markenidentität kann man aber nur dann bewahren, wenn man ihr und damit dem eigenen Stil treu bleibt. Dieser Stil schlägt sich in ganz verschiedenen Bereichen nieder: in der Art und Weise, wie ein Mensch sich kleidet, ob er Fahrrad oder Auto fährt, mit welchen Dingen er sich umgibt, wie sein Zimmer aussieht. Bleiben wir noch kurz bei einem meiner Lieblingsthemen – dem Kleidungsstil. Ob klassisch oder extravagant, sportlich oder natürlich – er muss zum jeweiligen Menschen passen. Denn nur dann gibt es den so wichtigen Wiedererkennungseffekt. Kennen Sie den Buchautor Bernhard Roetzel? Sein Buch „Der Gentleman“ ist seit über 10 Jahren ein Bestseller und schon in 19 Sprachen übersetzt worden. Bernhard Roetzel kleidet sich immer im Stil eines englischen Landlords, ein bisschen klassisch, ein bisschen sportlich – eben very british. Und genau das ist seine Markenidentität, sein Markenauftritt – auch online. Und diesen Auftritt gestaltet er ganz konsequent, bis hin zum Schnürsenkel.




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